Weinverkostung am Comosee
Dieses Wochenende stand unser kleines Weinwochenende am Comosee an. Es sah zuerst so aus, als könne Riki gar nicht mitkommen, da sie am Montag einen Dienst zugeteilt bekommen hat. Ich habe dann aber noch Angi und Martin spontan dazu motivieren können, von Samstag auf Sonntag mitzukommen und so waren wir für zwei Tage zu acht und anschließend noch zwei Tage zu fünft. Am heutigen Samstag ging es um neun mit zwei Autos los nach Como. Die Fahrt war völlig problemlos und so waren wir eigentlich wie geplant nach etwa drei Stunden dort. Zu viert schlenderten wir durch die Altstadt und machten uns auf die Suche nach dem berühmten Wochenmarkt. Dort gab es dann ein ziemlich breites Sortiment an Sinnlosigkeiten zu kaufen, aber auch essentielle Dinge wie Neonunterhosen oder WC-Enten hätten für ein paar Euro den Besitzer gewechselt. Das zweite Auto mit Hanna, Sabrina, Bernd und Jonny traf dann tatsächlich pünktlich auf die Minute bei unserem Treffpunkt ein. Die Suche nach einem netten Plätzchen für ein Mittagessen erwies sich dann naturgemäß als etwas mühsam, letztlich konnten wir aber an einem schönen Platz noch ein paar Tische für uns zusammen stellen lassen. Wir mussten dann leider feststellen, dass Nudeln hier echt nur als Primo Piatto angeboten werden, also keine vollen Hauptspeisenportionen sind. Mit Hilfe von Salat und Tartufo wurden wir dann aber letztlich doch noch satt. Nach dem gemütlichen Essen spazierten wir dann noch zum See vor, wo wir uns noch ne feine Eistüte gönnten. Schließlich wurden noch ein paar Läden von Innen gecheckt, ehe sich unser Auto um 16:00 Uhr auf den Weg nach Domaso machte. Die Fahrt zum nördlichen Ende des Sees war echt total schön. Anfangs fuhren wir noch direkt durch die kleinen Örtchen am See durch, ua. um eventuell auch einen Blick auf die Villa von George Clooney zu erhaschen. Vermutlich haben wir sie dann auch tatsächlich entdeckt, denn ein Grundstück direkt am See war verdächtig gut abgeschottet
Da es zeitlich langsam knapp wurde, mussten wir dann leider die weniger attraktive Schnellstraße nehmen. Die Schlüsselübergabe musste nämlich vor 18:00 Uhr über die Bühne gehen und es wurde doch schon langsam knapp.
Telefonisch machte ich dann die Übergabe klar. Die Sache war uns anfangs ja ziemlich suspekt: Treffpunkt am öffentlichen Parkplatz bei der Ortseinfahrt. Bezahlung in bar. Das Ganze stellte sich dann aber als deutlich weniger dramatisch heraus als geahnt, denn unsere Villa Simonetta war schlichtweg direkt neben jenem besagten Parkplatz
Der Vermieter war etwa in unserem Alter und total freundlich. Er zeigte uns gleich das Haus und wies uns auf die verschiedenen Annehmlichkeiten hin. Besonders beeindruckend war das große Wohnzimmer mit der riesigen Glasfront direkt zum See. Auch der Garten konnte halten, was er versprochen hatte: feine Liegestühle, Hollywoodschaukel sowie ein Tisch samt Stühlen. Alles optimal ausgelegt für acht Personen und an und für sich wirklich preisgünstig. Mietet man das Haus kürzer als eine Woche gibt es zwar noch einen fiesen Aufschlag aber auch so haben wir letztlich nur 40 Euro pro Person bezahlt. Handtücher, Decken, Geschirrspüler, etc. sowie Reinigung inklusive. Eine halbe Stunde später stieß dann auch der Rest der Truppe zu uns und brachte gleich ein paar feine Getränke und Snacks mit. Besonders kultig wohl die 5 Liter Weinbottle, die wir gleich anzapften, um in unserem Garten auf die gemeinsamen Tage mit einem Aperol Sprizz anzustoßen.
Danach ging es dann aber gleich zum großen Weinevent in der Nachbarschaft: Sagra dei Sapori Antichi. Der Fußweg zu diesem kleinen Dörfchen am Hügel erwies sich dann doch ein bisschen mühsamer als erwartet. Er ging konstant aufwärts, war ziemlich eng und mit Autos befahren und zog sich auch noch ziemlich lange dahin. Nach einer Dreiviertelstunde kamen wir dann aber doch am Ziel an. Für 8 Euro bekam man ein Ticket und ein Glas mit kultigem Umhängeteil, womit es dann durch gesamt zehn Cantinas ging. Diese Keller waren um den Dorfkern verteilt und durch herrlich authentische kleine Gässchen verbunden. Zuerst mussten wir mal für eine kleine Grundlage sorgen, wobei das kulinarische Angebot nicht gerade der große Reißer war. Nach einer Portion Pommes, “Amburgär” oder “Dog” ging es dann aber los in den ersten Weinkeller. In jedem einzelnen Keller gab es dann zwei Weine aus der Region sowie diverse typische Leckereien wie Brot, Kuchen, Speck oder Käse zu verkosten. Die Winzer waren ziemlich darauf erpicht, uns mit entsprechenden Informationen zu versorgen und Hanna war hier dankbarer Prellbock, da sie mit ihren Italienischkenntnissen ordentliche Konversationen führen konnte. So war dann auch immer die Weinzufuhr gewährleistet
Qualitativ ließ die Sache dann aber leider doch ordentlich zu wünschen übrig. Bis auf eine einzige Cantina boten die Locations ziemlich maue Ware. Dabei musste man teilweise grad noch einige Minuten anstehen, bis man hinein durfte. Den Höhepunkt lieferte dann Cantina Dieci: der Geruch des Rotweins beamte einen ja schon richtig weg, aber der Weißwein legte gerade noch einen drauf. Unpackbar ekelhafter Pissegeruch. Geschmacklich nicht viel besser, aber zumindest ein klein wenig Richtung Apfelmost mit Tendenzen zum Apfelessig. Manche von uns glaubten jedoch auch Extrakte jener Flüssigkeit an ihren Geschmacksknospen zu spüren die auch für den Geruch zuständig waren.
Kurzerhand: der einzig wahre Wein zum Kaufen. Dabei zickte der alte Opi grad noch richtig herum, von wegen, der Wein wäre nicht zum Verkauf bestimmt, sondern nur ein Hobby und nur für die Familie und so weiter. Das beeindruckte Hanna aber nur bedingt und sie konnte doch noch eine Flasche edles Weiß für uns organisieren. Uns war ja auch bald klar, warum der Wein nicht zum Verkauf vorgesehen ist, selbst in Italien gibt es ja so was wie ein Lebensmittelschutzgesetz
Wir hatten mit dem edlen Tröpfchen, das mit der Zeit nicht zuletzt Dank unserer immer mehr blühenden Fantasie tendenziell gelbe Farbe annahm, jedenfalls viel Spaß. Immerhin verkürzte es die Wartezeiten bei den weiteren Cantinas merklich. Die Idee, seine eigenen Abwässer als Wein zu vermarkten, werden wir als „Pipi di Nonno“ patentieren lassen, sofern das der findige Herr aus Cantina Dieci nicht eh schon gemacht hat. Leider war dann gegen 23:15 Sperrstunde und wir konnten so gar nicht mal alle zehn Keller durchprobieren, aber was soll’s. Wir schlenderten schließlich mangels Taximöglichkeiten den gleichen Weg zurück den wir hinauf gelaufen sind und hoben unsere Wandermoral durch Polonaisen und diverse selbst interpretierte Italo Hits. Besonderes Highlight war dann noch mein kühner Sprung von der Straße, als wieder mal ein Auto ziemlich schnell die schmale Straße herauf raste. Mein „Links halten“ verhallte beinahe in den Weiten des Comosees. Gott sei Dank konnte ich aber doch noch etwa 1,5m weiter unten einen kleinen Vorsprung erfassen und meine Lebensretter zogen mich mit vereinten Kräften aus den Tiefen der Schlucht (ich glaube, es war wirklich so dramatisch wie hier beschrieben..). Bis auf einen riesigen Riss in der Hose und einigen Schürfungen blieb ich aber unversehrt und wir konnten frohen Mutes den Rückweg fortsetzen. Im heimischen Garten gab’s natürlich noch den einen oder anderen Aperol Sprizz bei herrlicher Temperatur und schönem Sternenhimmel.
Natürlich wurden an unseren Urlaubstagen am Comosee auch so manche Fotos geschossen. Ein paar davon sind in meiner Fotogalerie zu finden.