Mediaplayertest: foobar
Lange Zeit habe ich Winamp als den ultimativen Medienplayer genutzt und darüber auch ein ordentliches Review geschrieben (Winamp-Review). Nun möchte ich auf den Player eingehen, den ich derzeit effektiv nutze. Zu foobar hatte ich ehrlich gesagt immer eine zwiespältige Beziehung. Zum einen hat mir der technischere Ansatz schon immer gut gefallen, zum anderen war aber auch von Beginn an offensichtlich, dass man viel Zeit investieren muss, bis der Player den eigenen Wünschen angepasst ist. Im Endeffekt kommt man aber genauso schnell oder langsam zu Ergebnissen wie bei anderen Abspielern auch – hat man mal die Vielzahl an Plugins durchgecheckt ist nicht mehr viel manuelles Abändern notwendig.
Ich möchte nun wie üblich kurz auf die einzelnen für mich relevanten Punkte eingehen:
- Community: Die Software zieht definitiv viele Entwickler in ihren Bann, weil sie entsprechend technisch aufgebaut ist. Daher hat sich eine ordentliche Anhängerschaft gebildet, die in den hydrogenaudio-Foren ihren Platz gefunden hat.
- Visualisierungen: Wer während des Musikhörens mit visuellen Effekten berieselt werden möchte, hat hier leider keine große Auswahl. Es gibt zwar einige Plugins in diesem Bereich, die meisten spezialisieren sich aber eher auf technische Spektrumanalysen und weniger auf spektakuläre bunte Spielereien. Gott sei Dank gibt es aber ein Plugin, das die Nutzung von Winamp-Visualisierungen ermöglicht und diese wunderbar in eine Skin einbauen lässt.
- Skins: Richtige Skinpacks sind ziemlich rar und meiner Meinung nach auch eher für Einsteiger oder als Basis zum weiteren Tweaking geeignet. fooAva und fooSune sollen hier stellvertretend für die komplexeren Skins erwähnt werden, die beweisen, dass foobar unheimlich anpassungsfähig ist und jeden nur erdenklichen Look annehmen kann. Sehr empfehlenswert ist meiner Meinung nach auch footunes, wodurch der Player dem Apple-Pendant verblüffend ähnlich sieht. Das Krasse an foobar ist, dass es prinzipiell mehrere verschiedene Userinterfaces gibt, auf denen der Look basiert. Das Default Interface ist ziemlich neu und ermöglicht schon einige nette Dinge, jedoch gibt es praktisch noch keine Plugins dafür. ColumnsUI hat sich aber definitiv als flexibelste Basis für das Skinning heraus kristallisiert. Mit Hilfe von weiteren kleinen UI-Plugins lassen sich hier gigantische Layouts kreieren, wobei ich als Basis unbedingt Br3tts Curacao empfehlen möchte.
- Plugins: Erweiterungen gibt es zur Genüge und sind auch dringend notwendig, schon alleine um ein ansprechendes Aussehen zu erreichen. Updates zu den Plugins scheinen bei gewissen Komponenten eher spärlich zu sein, so kann es beim Umstieg auf eine neuere Programmversionen schon mal vorkommen, dass man zukünftig auf gewisse Features auf Grund von Inkomptatibilität verzichten muss. Meistens wird aber der Code für andere Devoleper zur Verfügung gestellt, sodass sich oft jemand findet, der die nötigen Anpassungen vornimmt. Wer bei den vielzähligen Plugin-Updates den Überblick über Neuerungen behalten möchte, muss sich unbedingt das japanische Wiki als Bookmark speichern.
- Playback: Diversen Aussagen zufolge soll foobar das beste Signalprocessing voweisen und somit die beste Klangqualität bieten. Tatsächlich pumpt das Programm auch ohne Equalizer die Sounds mit deutlich mehr Druck aus den Boxen als andere Software, wobei dieses Verhalten problemlos durch Equalizer nachgeahmt werden kann. Durch die verschiedenen Abspielmodi und das Playlistenkonzept offeriert foobar viel Komfort. Zudem ist es nicht nötig, Lieder in eine temporäre Playlist abzulegen – die Datenbank selbst ist bereits eine riesige Playliste. Durch Aktivieren der entsprechenden Optionen wird der Fokus auf das aktuell abgespielte Lied gelegt, weiters spielt foobar beim nächsten Start an der gleichen Stelle weiter wo man aufgehört hat.
- Abspielmodi: Klassische Repeat- und Shufflefunktionen sind selbstverständlich, foobar bietet aber genialerweise noch eine Reihe spezieller Zufallsmodi. Als besonders praktisch erweist sich meiner Meinung nach der Album-Shuffle-Mode, durch den immer komplette Alben durchgespielt werden und erst danach zufällig an eine andere Stelle in der Playliste gesprungen wird. Das Ganze ist auch problemlos auf die komplette Datenbank anzuwenden, was natürlich besonders genial ist. Das Intro Play-Plugin kann einfach per Menü oder Hotkey ein- und ausgeschaltet werden, wodurch man einfach ein paar Songs nur anspielen kann.
- Lyrics: Für das Anzeigen von Texten werden zwei Plugins angeboten, die miteinander zusammenspielen. Das relevante davon ist uie_lyrics, das va. für das Anzeigen der Texte dient. Es kann aber auch Songtexte aus dem Internet laden, wobei es leider keine Möglichkeit gibt die Quellen festzulegen. Dafür sind die sonstigen Optionen mehr als zufriedenstellen: man kann genau angeben, welche Tags für die Lyric-Suche hergenommen werden, was alles herausgefiltert werden soll, ob man Lyrics ohne Timestamps ersetzt, falls es zeitlich definierte Textfiles gibt, etc. Gerade letztere Funktion empfinde ich als ziemlich genial. Findet das Plugin mal einen Text nicht, kann das lyricsDB-Plugin Abhilfe schaffen. Automatisiert scheint hier leider nichts möglich zu sein, per Rechtsklick kann man aber nach Liedtexten im Internet suchen, die Texte exportieren oder auch editieren. Wer noch eins drauf legen will, organisiert sich ein weiteres Songtexte-Plugin, mit dem noch weitere Lyric-Server abgesucht werden können.
- Album Art: Wer ColumnsUI nutzt kann über die geniale interne Fähigkeit, Albumcover anzeigen zu lassen zurückgreifen. Damit kann man nicht nur diverse jpg-Files anzeigen lassen, sondern sogar die Tags aus den Dateien auslesen. Die meiner Meinung nach beste Playliste elPlaylist greift seit einigen Versionen auf dieses Core-Feature zu und ermöglicht somit auch das Auslesen von embedded artwork.
- Internet-Anbindung: Das Einbinden von Internetressourcen ist leider ziemlich spärlich. Einzig die Lyrics-Abfrage funktioniert wunderbar und das Kontextmenü ermöglicht das Öffnen der Artist-Webseite, falls diese in den Tags gespeichert ist. Es wird dann aber der normale Systembrowser geöffnet – cool wäre echt ein internes Browser-Panel. Am schmerzlichsten vermisse ich die Implementierung von Internetradio. So ist es zwar kein Problem Streams aller Art abzuspielen, der Sender muss aber über die entsprechende Webseite aufgerufen werden. Bis zu einem gewissen Grad kann aber das geniale lastfm Radio-Plugin hier über die fehlende Shoutcast-Implementierung hinweg trösten.
- Bookmarks: Ein wenig entschärft wird das Radioproblem weiters durch das Bookmark-Plugin, da es so möglich ist, seine Lieblingssender bequem in einer Liste abzuspeichern. Besonders erfreulich ist die Möglichkeit sekundengenaue Abspielposition innerhalb von Songs zu speichern. Dies macht besonders dann Sinn, wenn beispielsweise ein Audiobuch oder Konzert nicht in Kapitel unterteilt ist.
- Library: Foobar basiert praktisch exklusiv auf Playlisten, sprich die Bibliothek liegt auch direkt als Abspielliste vor, was einige Vorteile mit sich bringt. So kann das Browsen in der Library visuell komplett angepasst werden, zudem gibt es eine Masse an Plugins, die unterschiedliche Arten des Browsens ermöglichen. Zu Empfehlen ist hier eindeutig die elPlaylist, die eine Vielzahl an verschiedenen Looks und das Einbinden von Covern und anderen grafischen Spielereien offeriert. Als besonders angenehm erweisen sich die Filter- und Suchfunktionen des columnUI-Plugins, das man sich als eigenes Panel in die Skin einbauen kann. Seit Version 0.9.5 werden die als Library definierten Ordner auch ständig auf Änderungen überwacht, was natürlich ein Hammer ist!
- Tagging/Converting: Foobar war für mich von Beginn an die Nummer 1 zum Konvertieren. Klar gibt es auch sonstige Frontends für den Lame-Encoder, aber die Schlichtheit der foobar-Implementierung hat mich immer schon überzeugt. Man fügt einfach die relevanten Medien zu einer Abspielliste und wählt mittels Kontextmenü “Convert” aus. Mit der lame.exe-Datei im richtigen Verzeichnis lassen sich noch schnell die Qualitätseigenschaften einstellen und es geht solide und zuverlässig dahin. Mit dem entsprechenden Plugin können gleich automatisierte Tags von discogs übertragen werden und mittels Skriptimplementierung ist es möglich, alle beliebigen Taggingoperationen per Hotkey oder Kontextmenü durchzuführen, beispielsweise das Rating, etc. Empfehlenswert sind hier durchaus die Masstagger-Plugins, mit deren Hilfe man wunderbare Skripts erstellen kann, die eine eigenständige Software wie mp3tag fast überflüssig machen.
- Performance: Der große Pluspunkt von foobar ist die Handhabung großer Bibliotheken. Weil das Programm sämtlichen Medien in einer eigenen Datenbank ablegt ist sowohl der Programmstart als auch das Abspielen von riesigen Playlisten sehr schnell. Genauso bringt die Suchfunktionen Ergebnisse in Echtzeit, egal wie groß die Musiksammlung auch sein mag. Zu beobachten ist lediglich ein etwas höherer RAM-Bedarf, was aber ganz von den genutzten Plugins abhängt. Diese können übrigens auch den Ladevorgang massiv verzögern.
Must Have Erweiterungen:
* ColumnsUI, elPlaylist und PanelStackSplitter sind auf jeden Fall notwendig, um sich eine wirklich anspruchsvolle Skin samt Implementierung verschiedenster Plugins erstellen zu können. Somit praktisch zwei Pflichtplugins, um überhaupt andere Erweiterungen nutzen zu können. Ich kann in diesem Zuge nur nochmals die Curacao Skin empfehlen. Wer sich das Paket herunter lädt, hat auch gleich die nötigen Plugins mit dabei.
* Lyrics Show Panel ist eine ebenfalls unverzichtbare Erweiterung. Das Plugin bietet wirklich schöne Einstellungsmöglichkeiten und findet sehr viele Songtexte, oft sogar mit Timestamps. Erweitern kann man die Songtext-Suche durch lyricsdb und lyricsgrabber.
* Browse-Erweiterungen wie Albumlist Panel, Playlist Tree Mod (etwas kompliziert, aber unheimlich featurereich!) oder Graphical Browser sind absolute Pflichterweiterungen – man sieht hier schon, dass die Software sehr stark auf die Hilfe von Plugins angewiesen ist ![]()
* shPeck-Visualisierung: Hierbei handelt es sich um ein Panel, das als Wrapper für Winamp-Visualisierungen fungiert. Somit kann man die genialen Visualisierungen wie Milkdrop und Co auch in Foobar nutzen.
* Die Zahl der zu empfehlenden Plugins würde hier eigentlich den Rahmen sprengen, da es einfach zu viele nette kleine Features gibt, die das Leben leichter machen. Viele davon sind aber vielleicht auch zu speziell und nicht für jedermann interessant. Empfohlen werden soll an dieser Stelle aber doch das geniale lastFM Radio-Plugin, das es unter anderem ermöglicht, zu einem bestimmten Interpreten ähnliche Songs aus dem Internet anzuhören.
Warum foobar rockt:
Wenn man sich entsprechend mit dem Scripting, den Plugins und Erweiterungen beschäftigt, hat man hier wohl den flexibelsten Audioplayer überhaupt – Grenzen im Bereich Feel&Look gibt es praktisch keine. Ein anderer riesiger Pluspunkt ist die solide Performance. Egal, wie groß die Bibliothek ist, das Programm startet schnell und erfordert weder bei der Suchfunktion noch beim Abspielen großer Playlisten Wartezeiten. Weiters scheint die Software auch beim Einbinden etlicher Plugins äußerst stabil zu laufen, Crashes kommen nur selten vor. Zu guter letzt habe ich für keinen anderen Player derart viele brauchbare und konfigurierbare Pluginfunktionen gefunden.
Warum foobar suckt:
Das Handling ist gerade für Neueinsteiger nicht sonderlich prickelnd, hier ist also Tweaking und Ausprobieren angesagt. Das Einbinden anderer Medien wie Videos oder Radiostationen ist leider auch nicht möglich, va. letzteres ist wirklich sehr schade. Und wer auf tolle bunte Visuals steht, wird ebenfalls bei anderen Playern schneller zufriedengestellt.
Vor Jahr und Tag..
- Stadt, Poker und Funken - 2007
- Datum: 24. Februar 2008
- Kategorie: Medien, Offlinemedien
- Wortanzahl: 1628 Wörter