Katzen-, Lese- und Chansonabend
Am Anfang der Woche standen die alljährlichen Bewerberinterviews an. Heuer wurde das Aufnahmeverfahren ein wenig abgeändert. Es gab auf Basis der Bewerbungsunterlagen und der Hausarbeit bereits eine Vorauswahl, durch die etwa ein Drittel der Bewerber gar nicht zum Interview eingeladen wurden. Wer nun meinte, dass wohl nur etwas ältere Leute mit gewisser Lebenserfahrung bei uns aufgetaucht sind, hat sich kräftig getäuscht. Ich weiß nicht genau woran es lag, aber heuer hatte ich einen doch tendenziell negativen Eindruck der BewerberInnen. Richtig interessante Gespräche kamen nur selten auf und so machte der heurige Durchlauf keinen richtigen Spaß. Ärgern musste ich mich dann auch an den Abenden, an denen ich mit dem aktuellsten WordPressupdate kämpfte. Selbst nach etlichen Stunden hatte ich es nicht herbekommen, das Ding vernünftig zum Laufen zu bringen. Etliche Plugins verweigerten ihren Dienst und es kam ständig zu Konflikten zwischen jquery und prototype. Es half hier einfach gar kein Trick, außer die Javascripts auch manuell und somit doppelt zu laden, was natürlich Humbug ist. Entnervt löschte ich alle Dateien und spielte die 2.7.1 Version zurück auf den Server. Interessanterweise gibt es nun auch hier plötzlich Probleme, die vorher nicht aufgetreten sind. Da nun auch wieder mein schönes PHP Speedy zickt, habe ich mich halt doch nochmals wegen Alternativen umgesehen. Richtig glücklich wurde ich aber mit keiner Lösung und so hat derzeit mein Blog das alte Problem: massig verschiedene JS und CSS-Dateien, die weder zusammengefasst noch optimiert sind. Sowas von nervig. Der ganze Ärger wurde dann nur noch durch die Lieferung meiner HTPC-Komponenten getoppt. Hier wurde mir nämlich nicht nur der falsche Prozessor, sondern auch ein unpassendes Mainboard zugesandt, wodurch ich nun wieder die Scheißerei mit Retoursendung und Warten habe. Dazu aber in naher Zukunft mehr Details.
Gestern Donnerstag stand dann abends ein wenig Kultur auf dem Programm. Ich fuhr mit Bernd zum Spielboden in Dornbirn zur Lesebühne. Davor sah ich mir aber noch die kleinen Kätzchen in Götzis an. Von den etlichen geschossenen Fotos sind leider nur wenige was geworden, aber der Knilch auf dem Foto rechts kommt schon ganz süß rüber, oder? Gibt ja echt nichts Putzigeres als Katzenbabys, unpackbar. Um Viertel nach acht waren wir schließlich beim Spielboden. Überrascht waren wir eigentlich von der geringen Besucherzahl, denn die Ankündigung versprach doch ein hochwertiges Event im Stile des Poetry Slams. Unsere Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt. Bei einem feinen Ciabatta und Aperol Sprizzer genoss ich die Texte der drei Protagonisten. Diese saßen gemütlich an kleinen Tischen direkt vor uns und hatten sichtlich Spaß, uns an diesem lauen Sommerabend zu unterhalten. Leider kam es dann aber doch zu späterer Stunde zu den echt langsam nervigen Regenschauern, sodass wir ins Cafe rein flüchten mussten. Die Atmosphäre war aber auch dort recht gelassen, wenn auch nicht mehr ganz so angenehm wie im Freien. Das Ganze lief nun so ab, dass Makim Pause, der Moderator des Poetry Slams mit einem kleinen Text loslegte, danach das Wort an Sulaiman, den Gewinner des vorjährigen Slams, weitergab, nach dem schließlich ein gewisser Lasse einen seiner Texte zum Besten gab. So wechselten sich die drei immer wieder ab und lasen gegen Ende sogar noch einen Text zu dritt vor. Die Gedichte von Makim waren ehrlich gesagt ein bisschen schwach. Bis auf sein sehr witziges „Scheißgedicht“ waren seine Beiträge ein wenig zu brav und straight. Lasse hingegen trug teils seine durchaus provokanten Texte recht exzentrisch und theatralisch vor. Insbesondere seine Schüttelreime waren dabei wirklich zum Brüllen komisch und erinnerten mich an meinen Kommunikationsstil mit Sofl, mit dem ich seit Jahren intelligente Wortspiele a la Rugflatte (=Flugratte) austausche. Der große Burner war dann allerdings definitiv Sulaiman. Ich habe seine Texte bei den Slams schon genial gefunden, allerdings ist die Lesebühne der deutlich bessere Platz dafür! Die mir noch unbekannten Texte waren ähnlich lässig und frech wie die zwei mir bereits bekannten Sachen. Den Willy-Text (Youtube-Video) fand ich schon ganz gut, aber sein Ich weiß es war echt der Hammer. Alles in allem wurde uns 3 Stunden solide Unterhaltung in sehr angenehmer Atmosphäre geboten. Beim nächsten Leseabend bin ich auf jeden Fall wieder dabei.
Heute Abend ging’s gleich kulturell weiter. Zum Geburtstag hatte ich quasi auf Wunsch Karten für den Chanson Abend beim Feldkirch Festival geschenkt bekommen. Bisher waren wir im Rahmen dieses Kunst- und Kulturfestivals eigentlich nur beim Musikfrühstück. Das war zwar auch immer ganz gut, aber so ein richtiger Konzertabend ist doch was anderes. Maria Bill enterte zusammen mit einem Akkordeonspieler und Pianisten gegen Viertel vor acht als Edith Piaf die Bühne. Sie war der berühmten Chanson-Sängerin aus Frankreich wie aus dem Gesicht geschnitten. Nicht, dass ich die Dame jemals live erlebt hätte (dafür bin ich dann doch zu jung), aber ich nehme mal die Szenen aus dem Film “La Vie en rose” für bare Münze. Innerhalb knapp einer Stunde gaben die drei solch bekannte Songs wie “Milord”, “La vie en rose” oder natürlich das für den Abend Titel gebende “Je ne regrette rien” zum Besten. Dabei waren nicht nur die musikalischen Qualitäten absolut überzeugend, sondern auch die schauspielerischen. Dabei versuchte die Sängerin nicht nur eine reine Imitation des Vorbilds zu sein, sondern streute ab und zu auch Ansagen aus ihrer eigenen Perspektive ein, was die Sache recht interessant und abwechslungsreich machte. Die Songs selbst waren ohnehin unantastbar, zumindest der Großteil. Imposant übrigens auch der solide, dezente Einsatz der Scheinwerfer, die die drei immer wieder wunderbar in Szene setzten. Als wir in die Pause entlassen wurden, war für mich der Abend eigentlich schon mehr oder weniger um. Von Jaques Brel, der im zweiten Teil gecovert werden sollte, hatte ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört. Vielleicht waren es meine geringen Erwartungen an den zweiten Teil, vielleicht aber doch die Brillanz der Musik und Musiker: nach der Pause wurde die Show jedenfalls nur noch beeindruckender! Absoluter Hammer war meiner Meinung nach der eine der inzwischen fünf Musiker, der Klarinette, Querflöte und Saxophon so quasi nach Belieben austauschte und insbesondere mit dem Sax das Haus rockte. Bei seinem Solo kam mir diese eine Musikszene von “Lost Highway”, in der der Protagonist in einem schrägen Club wie wahnsinnig in sein Instrument trötet – völlig schräg. Und genauso schräg und lebendig war die Show heute. Dank der Vielfalt der Instrumente wurden die Songs noch deutlich eindrücklicher und vielschichtiger als noch vor der Pause. Und auch die Stücke selbst hatten absolut Potenzial. Dass eine Frau nun eine männliche Stimme interpretierte bzw. ersetzte störte nicht im Geringsten, im Gegenteil. Wobei ich das ja gut rum posaunen kann, da ich das Original ja nicht kenne *grins* Nach zwei Zugaben, die sich das Publikum sehr mühevoll erklatscht hatte, war das Konzert dann gegen Viertel nach zehn vorbei.
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