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Mediaplayertest: Winamp

20. Februar 2008, 378 Mal gelesen.
 
Dieser Beitrag ist der 2. von 8 in der Serie Medienplayer
 

Winamp 5.5Ich möchte hiermit eine Mini-Serie zu Mediaplayern starten, da dieses Softwaregenre für mich und viele andere zum täglichen Einsatz kommt und daher die Wahl des richtigen Players große Relevanz hat. Die Zahl der verschiedenen Player ist gar nicht mehr überschaubar, es haben sich jedoch meiner Meinung nach vier Player auf dem Markt am meisten etabliert: Winamp, Windows Mediaplayer, iTunes und foobar2000. Ich habe manch einen dieser Musikplayer länger und intensiv getestet und kann somit doch ein paar Erfahrungen hier niederschreiben. Den Start mache ich mit Winamp, was bei mir über etliche Jahre hinweg der Player meiner Wahl war. Winamp wird sowohl in einer Gratisversion angeboten als auch als Pro-Version verkauft. Die Vorteile der Pro-Version sind aber meiner Meinung nach nur marginal, beispielsweise kann man das Tool dann auch als CD-Ripper nutzen. Generell bietet aber auch schon die frei verfügbare Version über massig Features und die Vielzahl an Plugins erweitern diese auch noch deutlich. In diesem Bereich gibt es inzwischen auch schon Plugins, für die Geld verlangt wird, dies ist aber Gott sei Dank noch die Ausnahme. Sämtliche Audioplayer leben meiner Meinung nach von der Anpassungsfähigkeit durch Skins und die Erweiterbarkeit mittels Plugins, weshalb dies ein wichtiger Punkt in meinen Reviews sein wird.

Ich möchte gleich auf die einzelnen für mich relevanten Punkte eingehen:

  • Community: Die Winamp-Community ist stark in die Weiterentwicklung integriert und sorgt immer wieder für neue Erweiterungen und Erscheinungsbilder. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass das Engagement der Plugin-Freaks im letzten Jahr deutlich gesunken ist. Der Meister der Winamp-Plugins DrO tummelt sich zwar immer noch rum, hat seine letzte Aktualisierung aber vor über einem Jahr gepostet.
  • Visualisierungen: Winamp bietet bombastische Möglichkeiten, Visualisierungen den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Wer keine Lust hat, selbst herumrzuprogrammieren, wird mit einer riesigen Anzahl an Preset-Packs der lebendigen Community bedient. Damit noch nicht genug – es gibt hier auch sehr viele Eigenentwicklungen mit komplett unterschiedlichen Ansätzen, wodurch das Visualisieren der Musik absolut niemals langweilig wird.
  • Skins: Die Masse an Erscheinungsbildern auf der offiziellen Webseite ist gigantisch. Jedoch muss hier klar postuliert werden, dass die Zahl der wirklich brauchbaren Skins sehr gering ist. Für mich muss ein Audioplayer den Bildschirm füllen und alle relevanten Informationen übersichtlich anzeigen. Hintergründe von Computerspielen oder Filmen vernichten oft die Lesbarkeit und tragen nichts zur Funktionalität bei. Richtig nervig sind auch die Skins, die aus mehreren Fenstern bestehen – das wirkt einfach unübersichtlich und unausgegoren. Interessant waren also die Single UI Skins, die aber alle ihre Macken hatten. Winamp 5.5 sei Dank gibt es nun auch eine offizielle SUI Skin namens Bento, die auch richtig rockt. Leider ist ein modulares Einbinden von Plugins nicht möglich. Besonders auf diesem Sektor hervorzuheben sind übrigens die Jungs von SkinConsortium, die eine Menge an abgefahrenen, teils aber auch wirklich sehr angenehmen Skins released haben und ständig weiterentwickeln.
  • Plugins: Kleine Erweiterungen, die das Leben erleichtern, machen einen Mediaplayer erst richtig rund. Auf der offiziellen Hersteller-Seite gibt es in einer übersichtlichen Datenbank eine Masse an sinnvollen und sinnlosen Zusatztools. Das Hauptproblem ist, dass sich hier oft veraltete Plugins tummeln, während Aktualisierungen nur in den entsprechenden Foren oder gar nur auf der Entwicklerseite zu finden sind. Das macht es dann auch schon wieder mühsam, immer am Ball zu bleiben.
  • Playback: In Winamp gibt es eine temporäre Playliste, die abgespielt wird. Musikdateien können dort aus der Library oder dem Windows Explorer abgelegt werden. Die Übersicht lässt jedoch sehr zu wünschen übrig, wobei ein paar Plugins das Problem ein wenig eindämmen. Hervorgehoben sei hier die Advanced Title Formatting-Option und das Seperator-Plugin, das vor jedem Album eine Überschrift einfügt. Damit hat sich’s aber auch schon. Ein grafisches Aufpeppeln ist ebenfalls über ein Plugin möglich, sollte aber zugunsten der Lesbarkeit defintiv vermieden werden. Über verschiedene Erweiterungen ist es auch problemlos möglich, Winamp dazu zu bringen, an der gleichen Stelle wieder fortzusetzen, wo das Programm letztens beendet wurde.
  • Abspielmodi: Neben zwei Repeatfunktionen wird auch der Shuffle-Modus angeboten. Hierbei wird einfach in der Playliste zufällig hin und hergesprungen, wobei man nie weiß, was als nächstes kommt. Komfortabler ist hier meiner Meinung nach die Möglichkeit, die Playliste zufällig zu sortieren und dann mit dem normalen Modus abzuspielen. Eine Previewfunktion wird leider nicht angeboten, kann aber mittels sehr altem Plugin implementiert werden. Leider gibt es keine Möglichkeit, diese Funktion schnell per Hotkey anzusprechen, man muss hier immer ziemlich mühsam in die Einstellungen wechseln.
  • Lyrics: Möchte man sich Songtexte zur Laufzeit ansehen, benötigt man ein Plugin. Weit verbreitet ist das EvilLyrics, das praktisch unabhängig vom Audioplayer existiert und sich nur per Plugin einklinkt, um die Songinformationen zu bekommen. Dieses Verhalten alleine ist für mich K.O.-Kriterium, denn das eigene Fenster sieht einfach scheiße aus. Andere Plugins haben so ihre Vor- und Nachteile. So kann eine Erweiterung beispielsweise die Lyrics schön in eine Visualisierung implementieren, jedoch werden die mp3-Files zu speichern oder haben Probleme mit dem “unsynced lyrics”-Tag. Diese Situation hat mich dazu getrieben, das Winlyrics-Plugin zu kaufen. Davon muss man aber nicht zuletzt auf Grund der gestoppten Weiterentwicklung abraten, denn die Datenbank wird nur noch marginal aktualisiert und es gibt keine Möglichkeit, auf andere Datenbanken zuzugreifen. Ansonsten wäre das Plugin perfekt, sowohl vom Look, als auch von den Funktionen her.
  • Album Art: Lange Zeit war das Cover TAG Plugin die einzige Möglichkeit, sich Covers aus dem ID3-Tag anzeigen zu lassen. Dieses Plugin griff dabei auf das Videofenster zurück, was meiner Meinung nach optimal in Bezug auf sauberer visueller Integration darstellt. Der neuen Winamp-Version sei Dank gibt es nun in der neuesten Herstellerskin auch einen Cover-Tab, der sogar auf die ID3-Tags zugreift. Bei nichtvorhandenen Bildern wird das Winamp-Logo angezeigt.
  • Internet-Anbindung: Die Implementierung des Webs ist mehr als vorbildlich. Nicht nur, dass man direkt zum Programm selbst Informationen zu neuen Plugins etc. übersichtlich erhält, es gibt sogar einen integrierten Browser, in dem Infos zum Künstler angesehen werden können. Sehr löblich ist auch das Einbinden etlicher Internetanbieter im Bereich Radio und TV. So hat man die Shoutcast-Sender komplett im Griff, kann die Sender filtern, etc. Wunderbar! Einzig nervig ist der Werbebanner, der aber mittels Tricks ausgeblendet werden kann.
  • Bookmarks: Die Lieblingslieder oder Radiostationen können schön säuberlich als Favoriten angelegt werden. Durch ein Plugin können diese dann sogar noch sortiert und organisiert werden. Das Abspeichern einer Abspielposition in einem Medienfile ist aber leider nicht möglich. So wäre es meiner Meinung nach oft angenehm, bei langen Audio- oder Videofiles ein Lesezeichen zu setzen, um beim nächsten Mal wieder an der gleichen Stelle starten zu können.
  • Library: Die Bibliotheksfunktion von Winamp ist solide, aber nicht sonderlich spektakulär. Die als Watchfolder angegebenen Verzeichnisse werden leider nicht wirklich überacht, sondern nur einmalig oder auf Anfrage aktuell eingelesen. Wer einen Echtzeitzugriff auf die Folder haben möchte, kommt um die Dynamic Library-Erweiterung nicht herum, die sich aber nicht immer schön und simpel in die Nutzeroberfläche einbinden lässt. Die Suchfunktionen in der Bibliothek sind jedoch sehr umfangreich. Es ist einfach, nach bestimmten Medien zu sortieren oder nach den Standardtags filtern zu lassen. Die Dreispalten-Ansicht ist nicht jedermanns Sache, aber gerade unter Einindung der Albumcoveranzeige doch recht komfortabel.
  • Tagging/Converting: Die standardmäßige Taggingfunktion bietet alle relevanten Möglichkeiten zur manuellen Anpassung, eine automatisierte Taggingaktion ist jedoch nicht möglich. Schmerzlich vermisst wird die Funktion, Playcount und Rating in Tags zu schreiben, diese Informationen werden nur in der Datenbank gespeichert und gehen bei jeder kleinen Änderung verloren. Konvertierungsmöglichkeiten werden über das Diskwriter Output-Modul angeboten. Ein explizites Plugin soll die Handhabung erleichtern, erwies sich aber als ziemlich unzuverlässig. Letztlich sind sowohl der Tagging- als auch der Konvertierungsvorgang schlichtweg zu kompliziert und buggy. Ein großes Minus.
  • Performance: Der riesige Kritikpunkt von Winamp und für mich letztlich auch Grund dafür, dem Programm vorerst den Rücken zuzukehren. Das Starten mit einer großen Library dauert schlichtweg eine Ewigkeit, wodurch ein sporadisches Nutzen schlichtweg unmöglich wird. Freezes und Crashes sind leider auch keine Seltenheit, so krepiert mir das Programm sehr oft während des Schließens und wirft noch schnell zwei DrWatson-Prozesse an, die alles blockieren. Hat man nur eine kleine Bibliothek und kann auf diverse Plugins verzichten, läuft aber alles ziemlich smooth.

Must Have Erweiterungen:
* Album List ermöglicht das Browsen durch sämtliche Albumcover in der Bibliothek und bietet somit einen sehr visuellen Zugriff auf die vorhandenen Alben. Dieses Plugin ermöglicht es auch, nach dem Abspielen eines Albums zu einem zufälligen weiteren Album zu springen. Meiner Meinung nach ein geniales Feature!
* Active Winamp wäre eine geniale Erweiterung, hat bei mir aber in den aktuellen Winamp-Versionen nicht mehr funktioniert. Es werden durch Rechtsklick auf einen Eintrag sämtliche Skripte im entsprechenden Ordner angezeigt. Diese kleinen Programme kann jeder selbst schreiben, mit Hilfe der vorhandenen Beispiele ist das auch nicht besonders kompliziert. Partyplaylist, Speichern der Bewertungen in Tags, etc. – das alles ist durch dieses Plugin möglich.
* Winlyrics: Trotz Schwächen in der Datenbank die bisher einzige saubere Lösung für Winamp
* Title Bar Info: Eine wirklich geniale Erweiterung, die es ermöglicht, sich in allen Programmen in der Titelleiste Infos zum aktuellen Song anzeigen zu lassen. Besser geht’s nicht.

Warum Winamp rockt:
Es ist soweit der einzige Mediaplayer, der auf solide Art und Weise Video, Audio und Webcontent vereint. Die Shoutcast-Integration ist für Radiofreunde der absolute Hit. Weiters ist die Community recht groß und fleißig, auch wenn es hier einen Schwund an Entwicklern zu geben scheint. Aber immerhin gibt es für praktisch jede erdenkliche Funktion ein Plugin, das auch meist einfach einzubinden ist. Das Programm ist jedem zu empfehlen, der keine zu große mp3-Sammlung einbinden möchte – uneingeschränkt!

Warum Winamp suckt:
Zum Taggen und Konvertieren taugt das Programm leider gar nicht, aber dafür sind so oder so Spezialprogramme wie mp3tag und ähnliche da. Das wesentliche Problem von Winamp ist aber die Stabilität und Performance. Hat man eine große Sammlung und möchte auch auf visuelle Plugins wie den Coverbrowser nicht verzichten, muss man mit viel Wartezeit rechnen.

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