Next stop Salzburg
Heute Vormittag ging’s dann gleich mal los in die nächste Stadt. Zu Mittag empfing mich Mäx am Salzburger Bahnhof. Wir spazierten dann bei leichtem Schneefall zu seiner Wohnung um meine Sachen abzuliefern und uns schnell mit einer feinen Tasse Tee auszuwärmen. Über den Mönchsberg zogen wir dann in die Altstadt, wobei der sonst angeblich schöne Ausblick durch die Schneeflocken ordentlich getrübt war. Es ging dann die steilen Stiegen runter zum Domplatz, wobei ich auf dem Weg noch die eine oder andere Bizarrität gezeigt bekommen oder erzählt bekommen habe. Kurz vor vier legten wir dann eh schon mit unserem ersten Getränk los. Der Stand wirkte zwar recht unweihnachtlich und war es letztlich auch, aber an einem heißen Apfelsaft mit Alkohol konnten wir irgendwie nicht vorbei. Eigentlich vermutete ich einen feinen Glühmost, wurde dann aber doch durch einen ziemlich geschmacklosen und künstlich wirkenden Sud enttäuscht. Naja. Dafür waren die Potato Wedges ganz ordentlich und vor allem sehr ausgiebig. Nachdem also mal der größte Hunger und Durst gestillt war, sahen wir uns die paar kleinen Gassen in der Umgebung an, wobei der Ostereier-Laden definitiv das Highlight darstellte. Da gibt es doch glatt ein Geschäft, das das ganze Jahr über ausgeblasene und bemalte Ostereier in Massen verkauft. Zu Weihnachten fanden noch ein paar winterliche Motive den Weg auf die Eier, aber ansonsten sah man hauptsächlich österliche Motive. Schräge Vögel. Dass man mit solchen Aktionen ein recht krankes Bild auf unser Österreicher wirft, scheint den Besitzern von solchen Läden nicht klar zu sein
Wir konzentrierten uns daher gleich mal wieder auf die eigentliche Stärke unseres Landes: Christkindlmärkte.
So ging es zunächst mal zum großen Tremel Punsch-Stand. Der Markt am Domplatz hat mich jetzt eigentlich auf die Schnelle nicht wirklich überzeugt. Abgesehen davon, dass einfach ein paar deplatzierte Stände dort waren, war der Platz einfach zu weitläufig und va. matschig ohne Ende. Unsere zweite Station war dann gleich noch ein Stück sonderbarer. Neben einem großen Eislaufplatz, den gerade der Zamboni ordentlich säuberte, stellte so ein Hoschi einen Bosna- und Punschstand auf. Wir konzentrierten uns natürlich auf den Punsch, der dann durchaus überzeugen konnte. Besonders lecker war auf jeden Fall der Beerenpunsch mit Beeren, wo man wenigstens auch noch ein bisschen was zu löffeln hatte. Die anderen Sorten hatten dann aber keine sichtlich natürlichen Aromen drin, sondern basierten auf den entsprechend vorgefertigten Mischungen, die man auch in der Flasche kaufen können hätte (natürlich für daheim *g*). Das kleine Feuer dort war noch ganz cool und sehr willkommen, da es langsam schon kälter wurde. Es wurde dann so langsam Zeit für einen weiteren Ortswechsel.
Die Stände am Hohen Markt sind allesamt in der Hand von diversen Vereinen, die den Gewinn angeblich einem guten Zweck zukommen lassen. Das ist ja mal durchaus löblich, muss ich sagen und hat va. auch für den Konsumenten einen klaren Vorteil: die Ware ist deutlich billiger als an den anderen Ständen. Glühwein und Punsch gibt es für 2 Euro, Besonderheiten kosten dann halt etwa 50 Cent mehr. Das nenne ich mal wirklich fair und motiviert natürlich zum Durchkosten verschiedener Angebote
An einem Stand mit Feuerzangenbowle konnten wir ohnehin nicht vorbei: die Igelfreunde! Hallo erstmal? Richtig genial war dann noch der Spruch darunter “Hilft Mensch und Tier”. Was geht denn jetzt ab? Gibt es auch schon menschliche Igel oder wie? Na, wir haben das Ganze nicht gröber hinterfragt, vermutlich steckte hier eh irgendein Geheimbund dahinter, der durch einen “unauffälligen” Namen ablenken wollte. Das Getränk war jedenfalls ganz lecker, allerdings wollten wir dann schon auch noch andere tolle Einrichtungen finanziell unterstützen und gingen mal weiter. Gelandet sind wir dann bei einem dubiosen Studentenstand, der ein paar richtig geniale Gesöffe im Angebot hatte. Nun, das Ambiente rundherum war jetzt dort zwar auch nicht der große Hit, aber die angebotene Vielfalt und günstigen Preise sprechen absolut für sich. So kurz nach sechs war es dann aber höchste Zeit für eine ordentliche Unterlage und so suchten wir nach einem Restaurant, das auch Platz für uns hatte.
Wir verirrten uns dann in ein kleines indisches Restaurant, das uns nach dem Betreten gleich vor ein ordentliches Rätsel stellte: wo zum Geier wird hier gekocht? Wir fanden nur ein kleines Wohnzimmer ähnliches Räumchen vor und fragten die zwei einzigen Gäste, ob das schon klappt hier mit essen und so. Tatsächlich kam dann auch die Bedienung herein und brachte den beiden was zu essen. Okay, wir waren gar nicht mal so falsch hier, also machten wir es uns gemütlich. Das Essen war teils etwas zu indisch (=dritte Zähne-kompatibel), aber eigentlich echt lecker. Zur Sicherheit schoben wir aber noch einen Mangoschnaps hinterher, man kann ja nie wissen. Wie es sich für ein indisches Essen so gehört, waren wir für die zwei Gänge beinahe zwei Stunden dran – dabei hatte ich eigentlich gar nicht das Gefühl, besonders lang warten zu müssen oder so. Es ging also wieder raus in die Kälte und nichts hilft besser gegen Erfrieren als ein ordentlicher Glühwein. Wir trafen am Domplatz dann noch eine Bekannte von Mäx, mit der wir dann zwei, drei Mal anstießen, ehe die Buden um halb neun dicht machten. Okay, das war dann wohl das offizielle Ende meiner Weihnachtsmarkttour in Salzburg. Fazit: Preis/Leistung am Hohen Markt top, Atmosphäre am Domplatz besser, aber auch alles andere als berauschend und ein Riesenhoiler: es gibt nirgendwo Tassen, sondern nur Papier- oder Styroporbecher. Mal abgesehen davon, dass ich das umwelttechnisch für bedenklich halte, ist dieser Scheiß einfach völlig unästhetisch und bescheuert.
Wir zogen dann mit Anna und ihrem Beinahe-Freund zur sogenannten Fortgehmeile von Salzburg, wobei recht schnell offensichtlich wurde, dass die Leute hier massiv auf Irish Pubs und Karaoke abfahren. Eine solche Kombo gönnten also auch wir uns. Die Karaoke-Maschine war aber Gott sei Dank im anderen Raum, sodass man zwar durchaus ein bisschen was davon mitbekam, aber nicht voll zugekreischt wurde. Nach einem recht ordentlichen Strawberry Daiquiri wurde ich dann noch zu einem Babyguinness vergewaltigt. Ich hasse das Gesöff ja eigentlich wie die Pest, aber es versteckte sich ohnehin ein Shot hinter dieser Bezeichnung, der mit dem Altöl außer dem Aussehen nichts zu tun hat. De facto war es eine Mischung aus Kalua und Baileys, die nicht mal so schlecht schmeckte. Nun, ich hatte dann aber definitiv genug vom Alkohol, immerhin hat sich im Laufe des Nachmittags doch eine ordentliche Zahl diverser Heißgetränke zusammen gebraut. Das Soda Citron für gerade mal einen Euro war also eine willkommene Abwechslung. Kurz vor elf stand dann ein Lokalwechsel an, wobei ich mich mit Mäx abseilte und wir im Felsenkeller noch einen Schlummer-Martini zu uns nahmen, ehe es durch den Tunnel zurück in seine Wohnung ging. Bis wir dann im Bett lagen, war es ohnehin schon 1:00. Wir plauderten noch ein bisschen und pennten dann fein ein.
Gestern war ich mit Fotos noch recht spärlich, doch von Salzburg gibt es doch ein paar visuelle Eindrücke in meiner Fotogalerie.