Großes Kurzfilm-Kino
Großes Kurzfilmkino gab es die letzten Tage in Nenzing. Das neu organisierte Kurzfilmfestival Alpinale lockte mich in den letzten Tagen immerhin drei Mal auf den Rammschwag-Platz. Zur Eröffnung am Mittwoch war gleich ordentlich was los. Beim Sektempfang wurden wir vom durchgehend noblen Outfit des Vorstands überrascht, das echt massiv was hergab. Es waren eh einige bekannte Gesichter vor Ort und so unterhielten Jonny und ich uns nicht nur mit unseren Sektgläsern
Gegen neun wurde das Festival dann von Mylchen offiziell eröffnet. Sie stellte das neue Konzept und das Team vor, eher sie das Wort an Vertreter aus der Politik und schließlich dem Moderator übergab. Dieser hatte natürlich noch einige Hinweise auf Lager, ehe wir den ersten Film zu sehen bekamen. Fast zumindest. Denn davor gab es noch die Filmrätsel. Jugendliche hatten im Rahmen von Workshops und Co ein paar Filmtitel in kurzen Sequenzen ohne Dialog festgehalten. Diese musste schließlich das Publikum erraten, wobei die Leute mit ihren Meldungen doch ziemlich zurück haltend waren. Dooferweise konnte ich mir trotzdem keinen Getränkegutschein ergattern, da ich nicht gerade der Blitzkneißer war *sniff* Es ging dann gleich mit einem durchaus soliden Animationsfilm los. An und für sich händisch gezeichnet, aber mit ein paar 3D-Sequenzen zwischendrin, die sich aber gut einfügten. Visuell war der Streifen schon überzeugend und er war definitiv witzig, wenn auch ne Spur zu lange. Die nächsten zwei Filme, va. Still waren durchaus auch solide, wobei mir dann insbesondere der französische Streifen mit dem Titel Dix gefiel. Es wurde ein Gespräch beim Psychiater gezeigt, wobei der Patient offensichtlich ein Problem damit hat, auf Fugen zwischen Fließen oder Pflastersteinen zu treten. Im Geiste lief er nun durch eine Straße und sobald er auf eine Fuge trat, rutschte die komplette Steinreihe zur Seite und riss ihm den Fuß auseinander. Im Laufe des Films kam es noch ne ganze Spur heftiger und eine Einstellung hat mich dann besonders fasziniert: wie bei den kleinen Schieberätsel wurden die einzelnen Teile des Protagonisten durch die Gegend geschoben. Sensationell und visuell perfekt gelöst. Für mich blieb dieser Film dann eigentlich der beste des ersten Abends. Richtig miese Beiträge gab es zwar keine, aber der Großteil blieb irgendwie doch Mittelmaß. Auffallend war, wie wortkarg die Filme am ersten Abend waren.
Überzeugter war ich dann eigentlich vom Freitag. Obwohl es diesmal natürlich keinen Sektempfang oder sonstige Specials gab, war das Festival wieder sehr gut besucht. Und die Zuseher bekamen einige feine Leckerbissen zu sehen. Klar waren auch diesmal wieder ein paar komische Teile mit dabei, aber letztlich konnte ich doch immerhin drei Perlen entdecken. Die erste war eine gestellte Dokumentation zum Thema Spendensucht. Ich war mir ehrlich gesagt schon ne Zeit lang unsicher, ob dies jetzt eine real existierende Therapiegruppe war oder doch nur eine gefakete. Die Schauspieler waren jedenfalls ebenso spitzenmäßig wie die Konzeption. Klar, dass Leute regelrecht danach süchtig sein können, Geld für gute Zwecke auszugeben, scheint in der heutigen Gesellschaft absurd und tatsächlich wollte der Film eben die massive Spendenfaulheit der Deutschen anprangern. Der nächste Topfilm für mich war dann The Optician. Der britische Film brillierte durch ein cooles Sounddesign. Der innere Monolog des Hauptdarstellers prasselte im Stereoton auf die Zuseher ein. Das alleine fand ich schon echt gewitzt, der eigentliche Clou an der Story war dann aber eine magische Brille, die 10 Sekunden in die Zukunft sehen lässt. Sehr cool. Von der Story her legte dann aber der nächste Film noch eins drauf: In Edgar ist ein einsamer Pensionist auf der Suche nach sozialen Kontakten und va. Arbeit und setzt dafür ein etwas seltsames Mittel ein. Der Film besticht sowohl durch den Hauptdarsteller als auch die echt geniale Idee.
Heute stand dann schon der Abschlussabend der Alpinale auf dem Programm. Im Gegensatz zu den bisherigen Auflagen des Festivals gab es eine feierliche Preisverleihung, bei der die Gewinnerfilme auch nochmals gezeigt wurden. Überraschend war der sehr maue Besucherstrom. War bei der Eröffnung bereits beim Sektempfang der Platz gut gefüllt, standen wir heute fast alleine mit unseren Sektgläsern da. Komische Sache – irgendwie ham das die Leute vermutlich nicht kapiert, dass da eigentlich die besten Filme gezeigt werden. So hatten wir zumindest kein Problem einen guten Platz zu finden und lauschten aus den vorderen Reihen der Preisverleihung zu. Vor den jeweiligen Kategorien wurden die Einspieler gezeigt, die im Rahmen einer von mir betreuten Bachelorarbeit entstanden. Ich finde, die kurzen Clips haben auch einiges zur professionellen Wirkung des Abends beigetragen und kamen echt gut an. Etwas in die Länge gezogen wurde die ganze Zeremonie durch die Zweisprachigkeit der Texte, aber ansonsten verlief die Sache reibungslos. Dass man den einen oder anderen Siegerfilm schon kannte, war ja eigentlich klar. Wobei mich die Entscheidungen der Jury teilweise schon etwas gewundert hat. So wären für mich weder Bruder, Bruder noch Die Seilbahn die besten Filme in der jeweiligen Kategorie gewesen. Die anderen Siegerfilme (Milovan Circus, Love Affair, Pig, Freies Land) kannte ich noch nicht und überzeugten durchaus durch gute Ideen, solide Stories und tolle Bilder. Im Anschluss an die Filme gab es dann sogar nochmals ein kleines Buffet, diesmal im Freien, was eigentlich viel netter als die Indoorvariante am ersten Abend war. Ich hab noch mit ein paar Leuten geplaudert, ehe uns Jonny gegen Mitternacht nach Hause brachte. Alles in allem denke ich haben die vielen kleinen und auch großen Änderungen im Programm dem Festival absolut gut getan. Nun liegt es noch an Jonny und mir, zu checken, ob finanziell alles sauber gelaufen ist *grins*
Vor Jahr und Tag..
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- Datum: 16. August 2009
- Kategorie: Ausgang, Event, Medien, Offlinemedien
- Wortanzahl: 901 Wörter