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Da das Energieinstitut Vorarlberg heuer das 25. Jubiläum feiert, bietet es einige Informationsveranstaltungen völlig kostenlos an, was ich natürlich gleich ausnutzen muss. So hörte ich mir heute den Vortrag zum Thema Heizsysteme an. Die Sache dauerte dann glatt fast drei Stunden, da doch immer wieder Fragen und Anmerkungen der Besucher auftauchten, die die Sache aber besonders interessant gemacht haben. Nun ja, der Beginn des Vortrags war ein bisschen grenzwertig. Dass Heizöl total out ist, ist ja klar, allerdings wird Erdgas hier über den gleichen Kamm geschert, was meiner Meinung nach einfach nicht gerechtfertigt ist. Besonders schräg waren dann Statistiken, die besagen, dass seit 30 Jahren keine neuen Ölfelder mehr gefunden wurden und der Bedarf doch zunimmt, was sehr bald zu einer Knappheit führen wird. Vor ein paar Wochen hatten wir ja im Rahmen des Intensive Programs einen Öl- und Gasexperten an der FH, der die Lage wiederum gänzlich anders geschildert hat. Seinen Aussagen zufolge nämlich wurde in den letzten 30 Jahren sogar mehr Öl/Gas gefunden als gebraucht wurde. So viel mal zur Glaubhaftigkeit von Statistiken. Ich gehe mal davon aus, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. In Vorarlberg wird jedenfalls massiv die Biomasse gepusht und da stecken ganz sicher auch finanzielle Gedanken dahinter. Wobei man hier auch klar einräumen muss, dass ich lieber die Vorarlberger Forstwirtschaft unterstütze als die russischen oder skandinavischen Gasfuzzis. So viel mal zu den politischen Hintergründen.. wobei ja das Energieinstitut behauptet, unabhängig und objektiv zu sein.
Nach der kurzen Hetzkampagne gegen fossile Brennstoffe wurden dann erst Mal die Wärmeabgabesysteme genauer unter die Lupe genommen. Diese bestimmen nämlich massiv, ob man sich in den vier Wänden wohl fühlt oder nicht. Hier die verschiedenen Systeme im Schnelldurchlauf:
- Luft: das Heizen mittels warmer Luft ist im Passivhaus Dank Wohnraumlüftung und Wärmepumpe möglich, aber nicht wirklich zu empfehlen. Wir konnten schon live miterleben, wie unangenehm es ist, wenn die Wärme keinen Strahlungsanteil besitzt. Trotz eigentlich normaler Temperatur hat man das Gefühl, es wäre kalt. Sockelleistenheizungen basieren übrigens auch auf dem Konvektionsprinzip, weshalb sie der Vortragende abgeraten hat. Im Internet findet man aber doch einige Fürsprecher für diese Art der Wärmeabgabe, da so indirekt die Wand auch als Wärmestrahler genutzt wird. Aber so richtig Sinn scheint mir das nicht zu machen, dann lieber gleich eine Wandheizung.
- Heizkörper: Je nachdem, ob es sich hierbei um Platten oder die alten Rippenradiatoren handelt, liegt hier der Strahlungsanteil zwischen 20 und 60%. Das ist nicht wirklich optimal in Bezug auf die Behaglichkeit, außerdem ist die Größe der Wärmequelle doch ziemlich begrenzt. Der große Vorteil ist aber die schnelle Reaktion und einfache Regelbarkeit.
- Flächenheizung (Fußboden, Wand): Je höher der Strahlungsanteil einer Heizung, desto angenehmer wird die Wärme empfunden. Die Fußbodenheizung liegt hier ganz weit vorne, wobei auch die Wandheizung eine ähnlich angenehme Wärme, sogar noch gezielter, erzeugen kann. Geschwollene Füße gibt es im Übrigen nur bei den alten Fußbodenheizungen, die mit einer deutlich höheren Temperatur gefahren wurden als aktuelle Modelle. In einem Passivhaus ist auf Grund der sehr geringen Vorlauftemperaturen von ca. 25 Grad eher das Gegenteil der Fall: der Fußboden ist nicht spürbar wärmer und Steinfliesen sollten auch hier vermieden werden! Großer Nachteil der Fußbodenheizung ist die Trägheit, was wohl besonders im Passivhaus mit großen Glasflächen ziemlich mühsam sein kann. Die Wandheizung ist hier deutlich schneller und auch effizienter, da kein Estrich aufgeheizt werden muss. Problem ist, dass man keine Möbel davor stellen darf.
So, und dann geht’s gleich weiter mit den Heizsystemen an sich. Wie gesagt wurde auf die fossilen Brennstoffe gar nicht eingegangen, ich werde meine Gedanken dazu aber dennoch hier festhalten. Ehrlich gestanden schwanke ich nach dem heutigen Abend mehr denn je, was nun der richtige Ansatz wäre. Besonders hilfreich ist hier der Heizsystemvergleich des Energieinstituts, den ich gleich in meine Ausführungen einfließen lasse. Hier werden nämlich nicht nur die Anschaffungs- und Heizkosten einberechnet, sondern auch die Finanzierung, Steigung der Energiepreise, etc.
- Gas: Im Gegensatz zu Erdöl ist Erdgas deutlich umweltschonender. Die CO2-Emissionen sind vertretbar, der Energieaufwand, der für den Transport des Gases nötig ist (Verdichtungsstationen, Pipelines, Bohrung, etc.), ist allerdings nicht unbeträchtlich. Ob nun die Gasreserven in 70 oder 140 Jahren zu Ende gehen, interessiert mich nur periphär. Bis dahin hat sich so viel geändert, vermutlich steht da das Haus gar nicht mehr. Wirklich negativ neben den ökologischen Aspekten ist hier sicher die Abhängigkeit der Lieferanten und deren Preisgestaltung. Positiv hingegen, dass die Anschaffung recht günstig und die Nutzung extrem komfortabel ist.
- Stückholz: So genial die Idee eines Ganzhauskachelofens auch sein mag, so richtig komfortabel ist die Sache auch nicht. 1-2 Mal pro Tag Holz nachlegen, damit man’s im Haus warm hat ist dann doch eher die steinzeitliche Heizmethode. Ich wollte schon fragen, ob es so etwas nicht auch mit Gasöfen gibt, aber das wir dann doch zu heiß
Einen normalen Ofen oder Kamin mit Stückholz, der dann nur einen Raum heizt, könnte ich mir noch vorstellen, wobei auch das mühsam sein kann. - Pellets: Aus ökologischer Sicht ist das besonders in Vorarlberg die sinnvollste Variante. Ökonomisch betrachtet scheidet das System aber dann doch rasch aus. Zum einen braucht man mal einen 6m2 großen Lagerraum im Keller und dann auch noch Platz für das Heizgerät. Zum anderen sind die Anschaffungskosten klar höher als bei Gas und – das eigentliche Problem – der Brennstoff ist nicht wirklich billiger als Gas. Und da der Wirkungsgrad geringer ist, müssten wir bei einem Haus mit einer EKZ von 20 satte 200 Euro pro Jahr MEHR zahlen. Einzig mein Umweltbewusstsein könnte mich dazu treiben, über die Beheizung mit Pellets nachzudenken. Immerhin verhindere ich so innerhalb von zwanzig Jahren die Emission von 18 Tonnen CO2. Auf der anderen Seite erspare ich der Umwelt durch das Zugfahren zum Arbeitsplatz auf die selbe Zeit gerechnet satte 40 Tonnen. Yep, mein Gewissen wäre auch mit Gasheizung rein
Ach ja, was Pellets vielleicht doch noch interessant machen könnte: ein Pelletskamin bzw. Ofen. Dieser würde nämlich die Vorteile eines schönen sichtbaren Holzfeuers mit der Bequemlichkeit des Gaskamins kombinieren. Klar müsste man den Ofen immer wieder mal befüllen, das Ganze wäre aber deutlich komfortabler als ein Stückholzofen und eventuell sogar günstiger als unsere Gasidee. Negativ an der Sache ist die Geräuschentwicklung solcher Geräte. - Luftwärmepumpe: Interessanterweise wird diese Wärmepumpe nicht vom Land gefördert, weil der Wirkungsgrad nur 2,7 beträgt. Also für einen Teil Strom werden 2,7 Teile Wärme erzeugt, was eher mau ist. Durch die geringen Anschaffungskosten wäre diese Variante aber für unser Haus tatsächlich die günstigste, wenn auch nur knapp. Da man aber im Internet immer wieder von Lärmproblemen liest und die Effizienz besonders dann nachlässt, wenn besonders viel geheizt werden muss (nämlich bei niedrigen Außentemperaturen), scheint mir dieses System wirklich nicht besonders sinnvoll zu sein.
- Erdwärmepumpe: Da eine Tiefenbohrung so an die 8000 Euro kostet, kommt diese Variante eigentlich per se nicht in Frage. Es gibt allerdings zwei möglicherweise attraktive Alternativen: Grundwasser und Soleschlauch. Letzteres wird von einigen Kompaktgeräten (Kombination Wärmepumpe mit KWL) unterstützt, die ich eigentlich recht interessant finde. Wenn ich aber in diversen Foren lese, dass diese Systeme 30.000€ kosten, gefällt mir das Ganze auch nicht mehr wirklich. Eine reine Wohnraumlüftung inklusive passivem Wärmetauscher und Vorheizregister wurde uns um 10.000€ angeboten und wenn wir jetzt nochmals so viel für sämtliche Gaskosten (Brennwertgerät + Anschlüsse) dazu rechnen, ist das immer noch um fast die Hälfte billiger
- Kontrollierte Wohnraumlüftung: Ist ja in dem Sinn kein Heizsystem, sorgt aber zumindest dafür, dass ein Großteil der Wärme (solare Gewinne, Personen, Geräte, Zusatzheizung) im Haus bleibt, jedoch nur, wenn sie auch über eine Wärmerückgewinnung verfügt. Diese sollte nach Möglichkeit passiv sein, allerdings könnte eine Kombination mit einer aktiven Rückgewinnung via Luft/Wasser-Wärmepumpe auch noch eine interessante Alternative sein. Im Passivhaus sind diese Kompaktgeräte ja eigentlich Standard. Wichtig ist hier jedenfalls wieder der Wirkungsgrad sowie der Strombedarf, wobei wohl auch die Geräuschentwicklung nicht zu vernachlässigen ist.
- Solaranlagen: Auch wenn Sonnenkollektoren auch zur Heizunterstützung genutzt werden können, werden sie tendenziell zur Erwärmung des Trinkwassers genutzt. Eine kleine Amortisationsberechnung zeigt auf, dass der Einsatz von Sonnenenergie rein vom finanziellen Aspekt her grenzwertig ist. Ob sich die Anschaffung innerhalb von 20-30 Jahren wirklich rentiert, hängt stark von den Energiepreisen und der Integration des Systems ab. Sonderbar erscheinen mir Kompaktgeräte mit Solaranschluss, die über 200l-Boiler verfügen, da generell ein 400 Liter-Boiler empfohlen wird. Gerade im Sommer könnte man so nämlich auch das Warmwasser für den Geschirrspüler und die Waschmaschine bereit stellen, was natürlich zusätzliche Kosten sparen würde. Pro Jahr spart man sich in etwa 2000 kWh, was ca. 100 Euro entspricht. Bei Anschaffungskosten von 5000€, Wartungskosten und Stromkosten für das Pumpen ist die Investition fragwürdig. Ich hatte anfangs die Webseite Solarresearch als große Verschwörungstheorie-Seite abgestempelt, allerdings decken sich auch Berechnungen von Energieinstituten oder die Ergebnisse im ziemlich coolen Solarrechner mit den Aussagen. Besonders betont hat der Vortragende jedenfalls, dass die Ausrichtung nur eine geringe Rolle für die Effizienz spielt. Wenn man die Kollektoren nicht komplett nach Süden im 35°-Winkel ausrichtet, muss man die Kollektorgröße nur geringfügig erhöhen. Er rät jedenfalls von der Aufständerung massiv ab, nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch aus finanziellen. Man solle die Anlage besser gleich ins Dach integrieren.
So far. Alles in allem muss ich sagen, hat mir die Veranstaltung schon einiges gebracht. Ich habe nun neue Einblicke in die Welt der Heizung erhalten und vor allem die Wichtigkeit von Strahlungswärme erkannt. Von den Teilnehmern wurden einige Probleme wie Schnee auf der Solaranlage oder Überhitzung von Passivhäusern auf Grund der Trägheit der Fußbodenheizung und mangelnder Verschattung (Vordach, Raffstores) angesprochen. Leider hat sich trotz allem unsere Heizungsfrage nicht geklärt. Im Gegenteil
Wenn wir jetzt aber nur Komfort und Finanzen in den Vordergrund rücken, sieht unsere Heizung wohl so aus: Gaskamin im Wohnzimmer, Gasbrennwertgerät zum Beheizen einer Fußbodenheizung in der Küche, im Gang, WC und Bad und möglicherweise Wandheizung in den Schlafräumen. Je nach Kostenpunkt noch eine Solaranlage, die auch für den Geschirrspüler und dezente Beheizung und somit Entfeuchtung des Kellers genutzt wird. Interessant klingt auch die Möglichkeit, einen Pelletsofen ins Wohnzimmer zu stellen, der nach Bedarf die Hitze auch über Wasser führende Systeme in den Rest des Hauses bringt. Eigentlich genau das, was wir mit unserem Gaskamin angedacht hatten. Die Frage ist, ob es schöne Öfen oder gar Kamine gibt und was sowas kostet.
Vor Jahr und Tag..
- Rollenspiel im Chat - 2008
- Internet und Klauskirchner Weinmesse - 2007
- Datum: 10. März 2010
- Kategorie: Hausbau
- Wortanzahl: 1680 Wörter