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Onkel Andys Tagebuch
  

Brunch’n'Bond

9. November 2008, 11 Mal gelesen.

Nach dem Aufstehen trafen July und ich uns mit Nico und Hase erneut im Stadtcafe, diesmal aber nicht zum Shaken, sondern zum Brunchen. Das Buffet wurde nun ordentlich ausgedehnt, allerdings nur räumlich. Das Angebot war sogar ein bisschen schwächer als beim letzten Mal und ein paar Sachen hätte es schon auszusetzen gegeben. Warum beispielsweise die Rühreier nicht warm gehalten wurden weiß vermutlich nur der Geier. Aber egal - wir genossen mehr oder weniger eineinhalb Stunden lang die verschiedenen Leckereien und den unter die Haut gehenden Klangteppich von Onkel Mike *g* Kurz nach zwölf führte uns Hase dann zum Bahnhof, wo wir noch ne Weile auf den Zug warten mussten. Auf der Fahrt kümmerte ich mich dann hauptsächlich um die Fotos von gestern Abend. Nachmittags brachte ich dann nicht mehr viel her, da ich mit Riki schon bald ins Cineplexx in Hohenems fuhr.

James BondSeit zwei Tagen läuft der neue James Bond Ein Quantum Trost. Da ja sieben Minuten des Films in Bregenz spielen, gibt’s im Ländle natürlich den riesen Hype um den Streifen. Da dürfen Riki, Jonny, Sabrina, Bernd, Hanna und ich natürlich nicht wirklich fehlen. Okay, so richtig bei den Ersten sind wir nicht mehr dabei, aber zumindest am ersten Wochenende und eigentlich ist’s ja sowieso egal. Ich war schon gespannt, ob ein bisschen Stimmung in den Kinosaal kommt, wenn die Ländle-Szenen gezeigt werden. Manno, ich werde nie das unglaubliche Kinoerlebnis in Hamburg vergessen. Keine Ahnung, ob es dort immer so abgeht, aber damals 1996 auf unserer Interrail-Tour war’s einfach der Knüller. Nach Mitternacht wurde in allen Sälen die Vorpremiere zu Mission:Impossible gezeigt. Wir waren mitten im riesigsten Kinosaal, den ich bisher gesehen habe. Doch nicht nur die Räumlichkeit erinnerte mit den vielen Rängen und der rundlichen Galerie an ein Fußballstadion, sondern auch die Stimmung. Okay, so krass war’s nicht, aber als Tom Cruise das erste Mal auf der Leinwand zu sehen war, ging das große Gegröle los und alle klatschten wie irr in der Gegend rum. Dieses Szenario wiederholte sich dann ab und zu bei besonders coolen Actionszenen und ich glaube am Ende gab es noch Standing Ovations für den Streifen. Ich bekomme gerade wieder eine Gänsehaut, wenn ich dies hier nieder schreibe. Eigentlich müsste man alleine deswegen wieder mal nach Hamburg auf eine Vorpremiere ;) Filipe, Simon, Leisi und ich hatten dann ein, zwei Male vergeblich versucht, diese Stimmung auch in die Ländle-Kinos zu bringen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir mal in der Lustenauer Kinothek rumgrölten und dann massiv vom Personal angefaucht wurden, mit Drohung auf Rausschmiss. Was für ein Schlag ins Gesicht, verdammtes, spießiges, langweiliges Ländle *heul* Tja, leider wurde unsere Missionarsaktion damals im Keim erstickt und deshalb (und nur deshalb) kann sich die Kinothek inzwischen nur noch mit viel Gestrampel über Wasser halten *bäh*

Zurück zum Thema. Um es vorweg zu nehmen, auch im Cineplexx ist die Stimmung übel, aber irgendwie hatte ich dann ja doch nichts anderes erwartet. Um halb sieben trafen wir uns also beim Eingang, holten noch Verpflegung und schritten dann in den digitalen Kinosaal. Werbung und Trailer gab es genug, sodass man noch ein paar aktuelle Neuigkeiten austauschen konnte. Dann ging’s aber los und zwar volle Kanne: die krasse Autoverfolgung am Gardasee wies bereits darauf hin, dass man sich auf massiv übertrieben Action fern jeder Logik einzustellen hat. Inszeniert war die Verfolgung auf jeden Fall ganz gut, sodass man schon mal mit einem kleinen positiven Gefühl den für Bond typischen Titel-Vorspann auf sich wirken lassen konnte. Dieser hat mir dann aber irgendwie schon mal gar nicht gefallen. Zwar sind die Key-Elemente des Films recht geschickt eingebunden, rein visuell wirkte die Sache teils aber doch ein wenig unbeholfen. Es wurde hier versucht, 3D Animation (va. auch Charaktere) mit klassischen Illustrationen und Realfilm zu verknüpfen, was aber nur mäßig erfolgreich war. Wirklich satt war dann aber die erste richtige Szene des Films in Siena. Natürlich handelte es sich wieder um eine Verfolgungsjagd - diesmal zu Fuß über die Dächer der Altstadt. Die atemberaubenden Sprünge von den und über die Dächer, die extrem schnell geschnitten wurden, waren meiner Meinung eigentlich eh schon das Highlight des Films. Insbesondere das Finale im Glockenturm war schon wieder so übertrieben und abartig, dass es eine gewisse Komik mit sich brachte und daher noch mehr Spaß machte. Allerdings wies diese Szene auch schon darauf hin, was man vom Rest des Films zu erwarten hat: überzogene Action ohne Sinn und Logik, mehr nicht. Leider.

Eine solide Story sucht man leider ebenso vergeblich wie irgendeine Art Spannungsbogen oder jegliches Element, das einen irgendwie an den Film fesseln würde. Er lebt einzig und alleine von den sehr gut ausgesuchten, beeindruckenden Schauplätzen und Verfolgungen jeder Art, wobei die Szenen mit den Booten und Flugzeugen besonders lächerlich, wenn auch ganz nett anzusehen waren. Von den Locations her wartetem wir natürlich besonders gespannt auf die Szenen in Bregenz. Direkt von Haiti ging’s (immerhin mit dem Privatjet) zum Flughafen Bregenz, von wo aus Mr. Bond durch die Altstadt Feldkirch fuhr, um dann vor dem Festspielhaus zu parken. Super schräg, aber durchaus cool ;) Die Festspiel-Aufführung von Tosca wie wie erwartet schon recht beeindruckend, wobei sich der relevantere Handlungsstrang im Inneren abspielte. Allerdings muss man auch hier leider sagen, dass der Film auch problemlos ohne Bregenz und Festspielbühne ausgekommen wäre. Die Story wurde durch diese sieben Minuten nicht wirklich voran getrieben und warum der Bösewicht gerade nach Bregenz fliegt ist irgendwie nicht ganz durchsichtig. Wie auch immer - als kleiner Patriot kann man auf die Szenen bei uns im Ländle durchaus sehr stolz sein, den Film retten sie aber auch nicht *grins* Das Problem des Streifens liegt für mich weniger bei den fehlenden Sex-Szenen oder nicht vorhandenen Gimmicks, sondern schlichtweg am sehr mauen Drehbuch. Irgendwie wurde versucht durch das Einbringen verschiedener Geheimdienste künstlich Verwirrung in die super-simple Geschichte rein zu bringen, damit der Zuseher zumindest das Gefühl hat, es handle sich um ein geschickt verstricktes Szenario. De facto ergab aber nichts davon so richtig Sinn.

Nach den zwei Stunden setzten wir uns noch ins Kohldampf, um ein bisschen was zu essen und zu trinken. Natürlich tauschten wir auch gleich unsere Eindrücke zum Film aus, wobei schon so der etwa gleiche Tenor heraus zu hören war. Im Großen und Ganzen waren wir doch alle mehr oder weniger enttäuscht. Fakt ist, dass der Vorgänger viel, viel besser war, ohne Zweifel. Ob das nun gut oder schlecht ist, dass Bond immer mehr zu einer Mischung aus Jack Bauer und Bruce Willis in Stirb langsam wird, sei mal dahingestellt. Aus dem kühlen, eleganten Geheimagenten wurde jedenfalls der durch (Rache-)Gefühle geleitete Hau-Drauf-Typ. Auch beim Bösewicht könnte man sich streiten, ob der Typ jetzt einfach zu normal und schwuchtelig unterwegs war oder nicht. Mich hat der Schauspieler eigentlich schon überzeugt - er hatte ein gewisses Maß an Kaltschnäuzigkeit und Verlogenheit und verkörperte diese Art Bösewicht eigentlich ziemlich gut. Die Bond-Girls waren da schon eher die Schwachpunkte irgendwie, was aber weniger am Aussehen als an der fehlenden Spannung zwischen ihnen und Bond lag. Ein bisschen geärgert hat mich, dass ich es nicht mehr geschafft hatte, den Casino Royale im Vorfeld anzusehen. Den hatten wir ja vor einem Jahr gesehen und so richtig konnte ich mich nicht mehr an alles erinnern. In Ein Quantum Trost wurde aber doch ziemlich oft Bezug auf den vorigen Teil genommen, den ich so eben nicht mehr richtig herstellen konnte. Kann also jedem nur empfehlen, beide Bonds mit Daniel Craig in kurzen Zeitabständen anzusehen - auch auf die Gefahr hin, dass man dann den aktuellen Teil noch schlechter empfindet…

Vor Jahr und Tag..

 
 

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