Bruce Campbell Filmabend
Nach all dem hochqualitativen künstlerischen Input diese Woche herrschte einfach die dringende Notwendigkeit eines kleinen Dämpfers: B-Movie Trash! Wer meine Google Reader-Empfehlungen verfolgt hat (hä?), ist möglicherweise über den neuen Trailer des bald kommenden Films My Name is Bruce gestolpert. Unglaublich, aber wahr. Der Meister aus der Evil Dead-Trilogie und einigen anderen trashigen Filmen kommt groß raus. Na, immerhin wird ihm ein eigener Film gewidmet, was ich schon ziemlich brillant finde. Okay, seine Parade-Rolle ist und bleibt natürlich Ash aus eben erwähnten Tanz der Teufel-Filmen. Aber genauso wie Harrison Ford als Indiana Jones oder Arnold Schwarzenegger als Terminator groß geworden sind, blieben das nicht die einzigen guten Filmen dieser Schauspieler. Also wird ja wohl auch von Brucey noch einiges kultiges Material auf diversen Filmrollen auf uns warten. Der Streifen Alien Apocalypse, den ich vor einiger Zeit mit Tobster und Richi angesehen hatte, war eigentlich ein ziemlich Brüller. Insofern waren meine Erwartungen an den heutigen Abend durchaus recht hoch – Tobster und Mike waren ebenfalls ganz heiß auf neu zu entdeckende Meisterwerke. Und durchaus cremig war unsere erste kleine Delikatesse: Within the Woods. Dabei handelt es sich um den auf Super 8 (!) gedrehten Vorgänger des ersten Tanz der Teufel-Streifens. Nicht mehr und nicht weniger. 30 Minuten lang darf man sich in unglaublich beschissener Qualität ansehen, was man eigentlich schon hundert Mal gesehen hat: Eine Gruppe Freunde in einer Hütte im Wald, Ash – damals noch originell Bruce genannt – wird von den bösen Geistern besessen und beginnt mal damit, seine ehemaligen Freunde ein wenig zu nerven. Diese töten sich inzwischen teilweise selbst und gehen nicht gerade zimperlich miteinander um. Alles Momente, die später in den cineastischen Meisterwerken wieder recht ähnlich zum Zug kommen. Und dennoch hat man es hier mit einem kleinen Meilenstein zu tun. Immerhin war dieser Drecksfilm die Geburtsstunde einer großartigen Trilogie und das erste Werk von Sam Raimi und Bruce Campbell. Was den Streifen wirklich amüsant macht ist der unheimliche Soundtrack. Foley-Wahnsinn meets Synthi-Mania, gespickt mit Elefanten-Getröte und was weiß ich alles. Ein wahrer Brüller. Von der Bildqualität her ähnlich beschissen, aber ansonsten feinster Slapstick bot der Kurzfilm Blind Waiter. Hätte auf der Alpinale durchaus gute Chancen auf ein goldenes Einhorn gehabt, wenn auch nicht das für den besten Ton *lol* Eigentlich ist das klassische Slapstick-Genre a la “Dick und Doof” ziemlich tot, warum nur? Wäre wirklich mal eine willkommene Abwechslung heutzutage…
Okay, nach dieser ziemlich krassen Einführung in den heutigen Abend ging es dann mit dem ersten richtigen Film los: Crimewave. Ein wirklich brillanter Schwachsinn, bei dem wir uns nur deutlich mehr Screentime unseres Bruce Campbells gewünscht hätten. Seine Rolle als “the Heel” meisterte er zwar zauberhaft, allerdings spielte dieser Charakter nur eine untergeordnete Rolle. Als Mischung aus George Clooney und Falco bezirzte er im typischen, trockenen Stil eine Frau, die er dann aber an den eigentlichen Hauptdarsteller des Streifens abgeben muss. Im Mittelpunkt stehen dabei auch noch zwei Gangster, die schräger nicht sein könnten. Echt völlig durchgeknallte Charaktere, die echt zum Brüllen komisch ihre miesen Geschäfte abziehen. Unterhaltung auf hohem Niveau, wenn einem der schrille Humor von Regisseur Sam Raimi nicht zu viel ist. Nach etwa 80 Minuten war dann das Highlight des Abends vorbei – wie gesagt leider mit deutlich zu wenig Bruce-Anteil, aber Sam Raimi produzierte hier 1985 einen richtig kultigen Streifen. Ich hoffte dann beim nächsten Film Bubba Ho-Tep auf mehr Bruce-Zeit und wurde zumindest diesbezüglich nicht enttäuscht. Man könnte meinen, bei einem Film, in dem Bruce Campbell in der Hauptrolle Elvis Presley mimt, kann nicht viel schief gehen. Doch hier täuschten wir uns leider Gottes gewaltig. So kann man zwar der Schauspielerei von Campbell nicht allzu viele Vorwürfe machen, dafür aber dem verdammten Drehbuchautoren. So ist zwar die Idee, dass Elvis sein Leben mit einem seiner Imitatoren getauscht hat, weil er den Trubel nicht mehr aushielt, ganz witzig und auch die eine oder andere Szene im Pflegeheim, wo der angeschlagene Elvis den ganzen Film über verweilt, entlocken einen kleinen Lacher. Aber das war’s dann auch schon. Der Geschichte fehlt es einfach an Witz, Charme und Pep – sie ist einfach viel zu simpel gestrickt und ohne jeglicher Überraschung. Wirklich ganz schwache Nummer, dabei hätte die Sache irgendwie schon Potenzial gehabt. Immerhin versuchte der Cutter ein bisschen Leben in die fade Sache zu bringen und spickte die Szenen immer wieder mit schrägen Flashbacks und Ähnlichem. Richtig Sinn hat das nie gemacht, aber es war zumindest ein wenig eindrucksvoll *g* Naja, uns so endete unser Filmabend kurz nach Mitternacht mit der ernüchternden Erkenntnis, dass ein cooler Hauptdarsteller noch lange keinen guten Film ausmacht. Was davor lief, wusste aber durchaus zu überzeugen und so soll dem nächsten Bruce-Filmabend nichts im Wege stehen. Spätestens dann zum neu erscheinenden Film werden wir uns noch den Man with the Screaming Brain reinziehen. Ich hätte schon auch noch ein paar andere Filme auf Lager, da bin ich mir aber nicht sicher, ob die auch nur ansatzweise was können. Dabei handelt es sich um ziemlich maue Sci-Fi Streifen, was gerade bei niedrigem Budget leicht ein Reinfall werden kann
Vermutlich muss die nächste Session aber eh bereits in näherer Zukunft stattfinden – immerhin habe ich gerade entdeckt, dass unser Meister bei Brisco County Jr sogar den großen Serienhelden mimt, was durchaus ne interessante Sache sein könnte. Im Übrigen lausche ich derzeit auf meinen Arbeitswegen seinem Hörbuch Make love the Bruce Campbell Way. Ich muss sagen, das CD-Set ist der absolute Hammer. Keine Ahnung, ob das Lesen des Buches auch so viel Spaß machen würde, in gesprochener Form kommt die Story jedenfalls mächtig genial rüber. Es ist mehr fast schon ein Hörspiel als ein Hörbuch. Immer wieder werden Hintergrundgeräusche, Action-Effekte, etc. eingespielt und die Stimmen werden mitunter von verschiedenen Personen gesprochen (Es sei denn, Bruce ist ein geniales Stimmen-Genie, was die Sache ja nochmals aufwerten würde). Ich kann das Hörbuch soweit ohne Vorbehalte absolut empfehlen, so schlecht kann’s in den letzten 90 Minuten, die ich vor mir habe, gar nicht werden
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- Datum: 8. August 2008
- Kategorie: Medien, Offlinemedien, Ausgang, Privat-Event, bei uns
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