Kurzfilme auf der Alpinale
Eigentlich dachte ich ja, zwei Mal Alpinale muss genügen. Nachdem ich ja vorgestern schon war und am Sonntag auch einen Besuch dort im Plan habe, wär’s das eigentlich gewesen. Doch am ersten Tag wurde ja nur ein normaler Spielfilm gezeigt und am Sonntag sind exklusiv spanische Shorts dran, die es nicht ins eigentliche Wettbewerbprogramm geschafft haben. Also bot sich ein Besuch heute bei einem klassischen Kurzfilmabend doch an, zumal’s ja noch ein Jonny-Sponsoring in petto gab. Bis halb neun fummelte ich noch an diversen Dingen herum: Wäsche aufhängen, Filme für morgen Abend checken, etc. Dann wurde ich von Jonny abgeholt und wir waren mehr als früh genug vor Ort in Nenzing. Leider schüttete es heute in Strömen, sodass die Vorstellung nach innen verlegt werden musste. Das Rahmenprogramm war klassisch: Begrüßungsworte durch die Moderatorin, Interview mit den Regisseuren von zwei Filmen und ne Pause, in der man sich was zu trinken gönnen und über die Filme sprechen kann. Heute war solch eine Pause auch wirklich nötig, um mal ein wenig zu entspannen, denn die Shorts der ersten Hälfte waren allesamt ziemlich deftige Kost. Nix mit spaßigen Minifilmchen, nein hier ging es durchgehend ernst zu.
Der erste Film aus der Schweiz legte bereits die Richtung fest. Der 7-Minüter behandelte das Asylgesetz der Schweiz auf durchaus eindrückliche Art, aber letztlich doch zu wenig intensiv und letztlich einfach viel zu knapp. Noch ne Stufe schlechter empfand ich den spanischen Film danach, in dem sich ein Mid-Zwanziger um seinen behinderten Bruder kümmerte. Das Ganze war eigentlich ganz vielversprechend, ermangelte aber irgendwie doch eines gewissen Peps (ob das jetzt korrektes Deutsch ist, sei mal dahin gestellt, aber es klingt mal wichtig..). Danach wurde es aber immer besser. Behandelte der französische Film auf völlig absurde Weise das Thema Sucht, ging es danach um die Nazi-Zeit und Pädophilie. Wie gesagt, keine leichte Kost. Der Film Spielzeugland konnte mich von Beginn an überzeugen und stellt somit eigentlich meinen Favoriten des heutigen Abends dar. Auf visuell sehr eindrückliche Weise erzählt er die Geschichte zweier Freunde Anfang der Vierziger Jahre in Deutschland. Die beiden Volksschulkinder werden schließlich voneinander getrennt: der Jude muss in den Zug, während der andere bei seiner Mutter zurück bleiben sollte. Dies möchte dieser aber nicht zulassen und so setzt er sich stur in den Kopf, die Judenfamilie ins Spielzeugland wie es seine Mutter bezeichnete zu begleiten. Als seine Mutter sich verzweifelt auf die Suche nach ihrem Ausreißer macht, wird die Geschichte erst richtig interessant und weiß schließlich auch mit einer durchaus überraschenden Wendung emotional zu berühren. Durchaus bewegend war dann der letzte Film vor der Pause. Die Geschichte eines Pädophilen weiß von Beginn an durch eine subtile Inszenierung zu überzeugen, enttäuschte mich dann aber doch ein wenig durch das zu vorhersehbare Ende. Nichts desto trotz haben diese zwanzig Minuten nicht nur die Besucher bewegt, sondern auch die Politiker auf der Prämiere, die daraufhin eine Gesetzesänderung beantragten.
Nach der kurzen Getränkepause ging es dann doch deutlich heiterer weiter. Es ging gleich mit dem echt genialen Animationsfilm Bad Habbit, little Rabbit los. Ein Musikvideo gespickt mit tollen Ideen und eindrücklichen Animationen. Dieser Film ist eine Abschlussarbeit auf der FH Mainz, wow, alle Achtung, für einen Studentenfilm war das echter Hammer. Nicht minder witzig war dann die kurze Animation über Atomenergie. Kurz, prägnant, mit einigen sehr coolen zynischen Scherzen. Vom künstlerischen Aspekt her keine Meisterleistung, aber eine willkommene Abwechslung am heutigen Abend mit einigen coolen Gags. Das waren dann auch schon die Highlights der zweiten Hälfte. Es folgten noch ein paar mittelmäßige Filme, die zwar durchaus ganz gut, aber nicht überragend waren. Ich habe jedenfalls keinen mehr über Durchschnitt bewertet. Na gut, der Vorarlberg Short war natürlich nochmals ganz großes Kino. Jesus, Maria, das war echt eine harte Nummer. Zwei Mädchen treffen auf der Fahrt nach Frankreich die Liebe ihres Lebens: einen riesigen ausgestopften Hasen. Mit diesem ziehen sie dann durch das Land und erleben etliche absolut belanglose Momente miteinander. Getragen wird die nicht wirklich vorhandene Geschichte von Shakespeare-Texten auf schwarzen Texttafeln wie zu Stummfilmzeiten. Anstelle der Dialoge trat die ganzen zehn Minuten lang ein an Nervigkeit kaum zu überbietendes Synthie-Gesülze. Nun ja, irgendwie war der Beitrag ja richtig schön schräg und die beiden Filmemacher waren beim anschließenden Interview wirklich sympathisch – im Endeffekt war es aber doch nur simpler Bullshit. Die Idee, Vorarlberger Beiträge in einer gesonderten Kategorie gegeneinander antreten zu lassen, empfinde ich ja als besonders löblich, aber ich denke, man müsste diese Beiträge doch eher an den Anfang der zweiten Hälfte stellen. Am Ende hinterlassen die doch deutlich schlechteren Beiträge einen zu massiven Eindruck. Nun, es war inzwischen auch schon nach Mitternacht und wir redeten nur noch recht kurz mit ein paar Mitwirkenden, ehe es dann nach Hause ging. Ach ja – laut Jonny habe ich gestern einen genialen Kurzfilm versäumt. Eine 3D-Animation mit großer Kung Fu-Action zweier Waldbewohner. Gott sei Dank gibt es den Film
Our Wonderful Nature auch im Internet zu bestaunen. Das Video steht auf Sevenload und ist mittels obigem Link direkt anzusehen.