Mord und Totschlag
Dass auch in einer harmlos wirkenden, kleinen, süßen Wohnungskatze ein fieses, garstiges Raubtier steckt, stellte heute unser Piet unter Beweis. Okay, mit Fliegen und anderem fliegenden Mini-Getier a la Nachtfalter hatte er sich schon öfters vergnügt. Aber ehrlich gesagt habe nicht mal ich als Vegetarier und alter Tierschützer vor diesen Insekten Respekt. Es sei dem Kleinen also verziehen. Heute am Morgen wagte er sich aber tatsächlich eine Klasse höher. Jetzt möchte man sich fragen, was man schon groß erlegen kann, wenn man eh nur in der Wohnung rum lümmelt und ab und zu einen Ausflug auf die Terrasse macht. Nun, offensichtlich gibt es doch den einen oder anderen Vogel, der doof genug ist, sich unserer räumlich so eingeschränkten Katze zu präsentieren. Nach dem Aufstehen gehe ich also in die Küche und sehe gerade, wie ein Vogel von der Terrassentüre aus ins Freie flattert. Ich dachte mir noch, wie der auch nur auf die Idee kommt, bei uns in die Küche fliegen zu wollen. Vermutlich wollte er seinen Kollegen retten, den unsere Katze inzwischen schon ins Wohnzimmer geschleppt hatte. Ich traute meinen Augen nicht, als der schwarze Mörder mit dem kleinen, süßen Piepmatz im Maul gemütlich auf dem Parkettboden herum stolzierte. Soweit wäre die Sache ja auch nur ansatzweise dramatisch gewesen, wobei mir ehrlich gesagt dieser Anblick alleine ausreichte, um hysterisch herum zu kreischen, als wäre ich zehn Jahre jünger und dem anderen Geschlecht angehörig. Piet war offensichtlich ziemlich irritiert von meinem Gebrüll und ließ den Kleinen glatt auf den Boden fallen. Nun spielte sich der wirklich üble Teil der Geschichte ab, der mich wohl noch in einigen Albträumen verfolgen wird. Der Vogel lebt noch, fiept wie ein Irrer in der Gegend rum und strebt sogar noch eine ausgeklügelte Flucht an. Diese wäre ihm im Freien vermutlich auch gelungen, doch da hat er die Rechnung nicht mit unserem schlauen Piet gemacht. Dieser wartete nämlich gemütlich, bis der Vogel ins Fenster knallte, hüpfte auf den Heizkörper und schnappte sich das wehrlose Federvieh erneut. Panisch schreiend rannte ich wieder raus und wollte eigentlich schon fluchtartig die Wohnung verlassen.
Die Tatsache, dass ich noch was aus dem Zimmer brauchte, setzte meine Gehirnwindungen aber doch noch massiv unter Strom – ich musste mir einen Plan aushecken. Okay, ruhig Blut. Was ist, wenn ich die zwei trotzdem unter sich lasse, wie es die Natur halt wohl so vorgesehen hatte? Vermutlich darf dann der Kleine noch eine ganze Weile leiden, bis er zu Tode gespielt wurde und vermutlich hinterlässt dieses Spielchen noch einen ganz üblen Saustall in unserem Wohnzimmer. Und so beschloss ich kurzerhand, unserem elenden Katzenteil zu Hilfe zu eilen und mit dem Töten zu helfen. Kurzerhand erschlug ich den kleinen Piepmatz mit dem Putzeimer, egal ob er nun noch lebte oder nicht. So genau wollte ich das gar nicht wissen, ich wollte ihn nur von seiner Qual erlösen und aus der Wohnung verfrachten. Nach dem Zuschlagen spielten sich wieder für heute Morgen quasi schon zum guten Ton gehörende Szenen ab: ich rannte wild kreischend und fluchend aus dem Raum und erarbeitete den zweiten Teil meines Plans. Okay, ich krallte mir ein möglichst großes, dickes Prospekt und kroch mit zitternden Händen wieder an den Tatort zurück. Die Katze lauerte erwartungsvoll vor dem Eimer, unter dem der hoffentlich tote Vogel samt leckerer Blutspur auf die Entsorgung wartete. Tief durchatmen, Eimer weg, Papier hin und einwickeln. Wie ein gestandener Mann vollzog ich diese Aktion ohne Gekreische und Panik. Richtig souverän quasi. Das Opfer landete schließlich eingewickelt im Mülleimer und ich durfte noch die Blutspuren weg wischen, die sich zusammen mit einigen Federn über das halbe Wohnzimmer erstreckten. Jesus, was für eine üble Action so früh am Morgen. Ob nun dieser eine Vogel, den ich weg fliegen gesehen hatte und der also noch rechtzeitig umgekehrt ist, mit dem toten Teil wirklich bei uns eindringen wollte oder ob Piet den Vogel doch auf der Terrasse erlegt und rein geschleppt hatte, kann leider nicht ganz nachvollzogen werden. Interessant wäre es gewiss, aber ich werde deswegen trotzdem keine Mordkommission zu uns holen, sondern den Fall einfach so ad Acta legen und hoffentlich bald vergessen.. Die Polizei haben vermutlich ohnehin bereits die Nachbarn alarmiert, spätestens als ich unsere Katze lauthals als kranken Pyschofreak und Ähnliches beschimpft habe. Das arme Vögelchen. Fiep, fiep.
Nachdem mich unser kleines schwarzes Biest also quasi zum Mörder gemacht hatte, fuhr ich dann mit dem Auto nach Tosters, wo ich selbiges gegen mein Fahrrad tauschte. Mieser Tausch, ja, aber beim heutigen feinen Sonnenschein war das kein großes Problem. Schnell noch Luft rein gepresst und ab ging’s zur Arbeit. Die Drittsemester quälten wir dann mit einer schriftlichen Prüfung zum Thema 3D. Die 20 Fragen innerhalb von 50 Minuten abzuarbeiten war sicher keine Leichtigkeit und bei den teilweise verzweifelten Blicken der Studenten während dieser Zeit konnte man fast ein schlechtes Gewissen bekommen. Andererseits waren ja alle Fragen im Vorfeld bekannt, insofern also durchaus machbar. Damit nicht zu viel geschummelt wird, haben wir zwei unterschiedliche Fragebögen erstellt, die ich gestern ja noch so halbwegs ausgeglichen umgemodelt habe. Als sich dann gegen Ende der Bildschirmschoner von Megi aktivierte, kam mir die Idee, sowas einfach während der Prüfung an die Leinwand zu beamen: herrliche Fotos von Stränden, Palmen, Inseln, Meer. Vielleicht würde sowas ein bisschen zur Beruhigung der Studenten beitragen, wenn sie voller Panik ins Leere blicken und sich erhoffen, dort die Antworten zu finden. Das Ende der Prüfung war dann ein wenig absurd. Es wurde ein bisserl chaotisch, was manche Studs hurtig zum Wissensaustausch ausnutzten – selbst wenn ich direkt daneben gestanden bin
Angeregt wurde von manchen das Angeben der maximalen Punktezahl pro Frage.
Megi und ich haben das im Anschluss noch recht seriös diskutiert, wobei wir zum Schluss kamen, dass es schon gut war, keine Punkteaufteilung anzugeben. Wir brüteten nämlich am Nachmittag über der konkreten Gewichtung der Fragen und legten die Punkte nicht nur auf Grund des erwarteten Inputs, sondern auch nach der Wichtigkeit fest. Das bedeutet, dass wir durchaus auch Fragen hoch bewerten, die eigentlich nur eine kurze, knackige Antwort benötigen. Und aller Voraussicht nach hätten die Studenten dann die Länge der Antworten doch falsch verteilt. Zudem hatten wir auf diese Art die Möglichkeit, den Input der Studenten gleich in die Gewichtung einfließen zu lassen. Wir nahmen also pro Fragebogen 3, 4 Arbeiten her und sahen uns die Antworten an. Wenn völlig offensichtlich wurde, dass die eine oder andere Frage zu schwierig war, hat sie im Zweifelsfall auch weniger Gewicht bekommen. Natürlich haben wir dabei recht viel diskutiert, wobei wir von den Antworten teilweise doch positiv überrascht waren. Okay, manche waren ziemlich mau, manche einfach nur auswendig gelernt, aber andere wiederum trafen wirklich voll ins Schwarze. So richtige 1:1-Zitate aus der Frage/Antwortliste gab es nur selten, wobei man hier teils schon das Gefühl hatte, dass das Geschriebene nicht wirklich verstanden wurde. Für meinen Geschmack waren viele Fragen ohnehin zu technisch orientiert, weshalb ich ja noch einige direkte Praxisfragen eingebunden habe. Aber auch dort tat man sich teils doch ziemlich schwer. Sehr lustig dabei war so dieser kleine Konflikt zwischen Megi und mir, von wem nun die Fragen mehr Sinn machen oder gute Antworten hervor brachten. Dabei erzählte Megi, wie sehr sie sich beim Durchlesen der Antworten im Vorfeld in den Google Spreadsheets geärgert hatte, dass meine Fragen so kurz, knackig und passend beantwortet waren, während bei ihr teilweise schwindlige Aufsätze dabei standen. Dass sie da versehentlich die Antworten direkt von mir eingefügt hatte und hier rein gar nichts von den Studenten erarbeitet wurde, hat sie erst auf meinen Hinweis hin gecheckt *lach*
Nach diesem intensiven, eigentlich anstrengenden aber auch fruchtbaren Nachmittag, den wir uns durch dezente gegenseitige Sticheleien durchaus amüsant gestalteten, fuhr ich dann mit dem Zug und Rad nach Hause. Dort erzählte ich Riki erst Mal von Piets Schandtat, die dann auch recht blöd guckte. Die Katze und ich wurden heute jedenfalls keine Freunde mehr, so viel hat sie schon mal kapiert. Nun, ich machte mir schließlich ein paar feine Toasts und beschloss kurzerhand, eine Folge von Party of Five anzusehen. Aus der einen Folge wurden dann zwei und als Riki aus der Badewanne kam sogar drei. Waren wieder durchaus berührende, aber auch sehr witzige Szenen dabei
Gegen zehn warf ich mich noch ne Weile vor den Rechner, um ein paar Blogeinträge nachzuholen. Nach ein paar kurzen Partien Poker ging ich dann eh bald ins Bett.
Vor Jahr und Tag..
- Datum: 5. November 2008
- Kategorie: Gedanken, Medien, Offlinemedien, Arbeit, Unterrichten
- Wortanzahl: 1386 Wörter