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VR in Karlsruhe

5. Juni 2009, 111 Mal gelesen.
 

LESCBereits um halb fünf musste ich heute aus den Federn und mich zum Zug sputen. Ich trat dann eine knapp fünfstündige Fahrt nach Karlsruhe an. Eigentlich machen mir solche Fahrten nichts aus, mühsam wird es aber, wenn man zu müde ist, um irgendwelche Dinge zu machen und zu fit um zu schlafen. Ein klein wenig konnte ich dann aber doch an meinem Laptop arbeiten. Umgestiegen wurde in Lindau und Ulm. In Ulm hatte ich dann ein kleines Deja Vu, als der ICE auf Bahnsteig 1 rein rauschte. Bei meiner letzten Fahrt nach Karlsruhe (Animago-Award) kaufte ich mir gerade eine kleine Leckerei und stürmte sofort in den ankommenden ICE, ohne groß auf die Uhrzeit zu schauen. Tatsächlich landete ich im Zug nach Berlin – bravo! Heute war ich mir aber dieser Gefahr natürlich bewusst und so ließ ich den Zug geduldig wieder abfahren, ehe ich ein paar Minuten später in den nächsten ICE stieg. Diesmal direkt nach Karlsruhe ;) Ich spazierte dann vom Bahnhof zum Unigelände und freute mich, dass ich doch vieles wiedererkannte. Da ich noch etwas Zeit hatte, organisierte ich mir schnell im Mediamarkt einen 50er-Pack DVD-Rohlinge, die in Deutschland schlichtweg die Hälfte des Ösi-Preises kosten. Megi trudelte ebenso pünktlich wie ich im LESC ein. Dabei handelt es sich um eine Institution der Uni Karlsruhe, die sich VR ganz groß an die Fahne geschrieben hat. Insbesondere deren Kooperation mit einer bulgarischen Uni machte uns (va. Megi natürlich ;) ) neugierig auf dessen Arbeit. In einer Reihe an Präsentationen wurde uns ein Überblick über die Tätigkeiten, Angebote sowie aktuelle und angedachte Projekte gegeben. Dabei musste ich doch immer wieder schmunzeln, da man hier offensichtlich mit ähnlichen Problemen wie wir sie haben leben muss. Auf der anderen Seite kam bereits hier ein wenig der Neid in uns auf, da sowohl die Größe des Teams als auch die Einrichtungen unser VR-Lab endlos in den Schatten zu stellen schienen.

Schließlich sahen wir uns die Geräte live an. Anfangs war ich noch nicht besonders angetan, dies änderte sich dann allerdings recht rapide. Zuerst nahmen wir den Mini-Cave unter die Lupe: eine riesige Leinwand vorne, eine recht schmale am Boden und eine ebenso schmale auf einer Seite. Irgendwie eine schräge Sache, aber zumindest für die gezeigte Anwendung maßgeschneidert. Der Fokus liegt bei den Anwendungen eindeutig auf dem Maschinenbau und der Visualisierung von Konstruktionen. Wir sahen also ein Automodell direkt in einer CAD-Anwendung vor uns – stereoskopisch. Ein Flightstick diente dem Drehen, Verschieben und Zoomen des Modells und erwies sich als äußerst interessantes Eingebegerät. Ein optisches MoCap-System der Firma ART trackte ein paar kleine Punkte auf der 3D-Brille des Hauptakteurs, der auch den Stick in Händen hielt. Nun konnte man also ein 3D-Modell direkt im CAD-System stereoskop sehen und im Rahmen der Software auch manipulieren. Soweit nichts Dramatisches, allerdings habe ich noch nie einen dermaßen eindrucksvollen 3D-Effekt erlebt. Nicht bei uns, nicht bei Terminal V, nicht im CAVE der Uni Konstanz und auch nicht im IMAX oder Cineplexx. Der 3D-Effekt funktioniert allerdings nur für denjenigen mit der getrackten Brille. Die anderen Zuseher erhalten teilweise eine ziemlich verzerrte Ansicht. Insofern müsste also ein ähnliches Setup auch mit unserem HMD und Motion Tracker funktionieren. Das werde ich definitiv kommende Woche ausprobieren. Das Beeindruckende an der Darstellung war weniger das Model als viel mehr die Tatsache, dass man wirklich um das Objekt herumgehen konnte (zumindest auf einer Seite des Objekts) und man dabei das Gefühl hatte, das Teil steht direkt vor einem auf dem Boden. Obwohl die visuelle Qualität zu wünschen übrig ließ, war der 3D-Effekt echt bombastisch.

Beeindruckend war dann auch das haptische Gerät der Firma Haption. Die Franzosen treten als einer der wenigen Konkurrenten zu Sensable auf und offerieren für einen nicht allzu geringen Betrag ein richtig großes Teil. Vermutlich lassen sich damit nur schwer Oberflächenbeschaffenheiten simulieren wie es unser Haptikgerät erlaubt, dafür hat man deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Das gezeigte Beispiel war hier leider auch nur auf eine CAD-Anwendung beschränkt, insofern sehen wir hier insbesondere im Gestaltungsbereich konkrete Kooperationsmöglichkeiten. Nach dem Anfassen der Geräte ging ich noch mit einer kleineren Gruppe zu Mittag essen. Das Futter war echt sehr lecker und das Gespräch sehr angenehm. Geschäftliche Dinge kamen nur noch teilweise zur Sprache, viel mehr wurden einige nette Erlebnisse ausgetauscht. Anschließend genoss ich noch ein wenig die Sonne im Schlosspark und schlenderte dann mit einem herrlichen Eis zum Bahnhof. Die Heimfahrt wäre dann an und für sich okay gewesen, wenn nicht doch noch Ulm zugeschlagen hätte. Vor lauter Vertiefung in meinen Laptop habe ich den Ausstieg verpasst und musste einen gröberen Umweg auf mich nehmen. Mit den Anschlusszügen hatte ich dann Gott sei Dank eh noch ordentliches Glück. Zwar kam ich erst um 22:00 Uhr in Feldkirch an, aber es hätte durchaus noch schlimmer werden können ;)

Vor Jahr und Tag..

 
 

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