Helden in Lustenau
Nachdem’s uns gestern ja die Auftritte von In Flames und Apocalyptica so mies verregnet hatte, dass ich dann doch lieber nicht nach Lustenau fuhr, wollte ich mir das Festival zumindest heute nicht entgehen lassen. Das Gratiskarten-Angebot von Jonny war ja auch schlichtweg ZU verlockend
Nachdem der Vormittag für Schlafen und andere nutzlose Dinge drauf gegangen war, machte ich mich um zwei auf den Weg nach Hohenems. Von dort aus ging’s dann mit dem super funktionierenden Shuttlebus nach einer kleinen Ausfahrt über die Grenze zum Szene Open Air. Jonny wartete bereits beim Eingang, während ich noch bei der Haltestelle auf ihn wartete – großes Kino soweit. Irgendwann ging ich dann aber doch mal runter und wir konnten das Gelände besichtigen. Seit letztem Jahr hat sich doch einiges getan: so war beinahe das ganze Gelände spiegelverkehrt. Die Talente-Bühne war also ebenso auf der anderen Seite wie der Eingang. Nur die Besucher versteckten sich offensichtlich noch in ihren Löchern, denn vor der Bühne war einfach gar nix los. Und so zogen wir zuerst mal zum Kiosk am Alten Rhein einen Pfirsichspritzer trinken. Dort ist es eigentlich immer total nett und es wundert mich, dass nicht mehr Festivalgäste im Gastgarten oder zumindest bei den Klo-Anlagen herumlungern
Wir nahmen’s jedenfalls recht gemütlich und plauderten insbesondere über das anstehende Camp. Kurz nach fünf zottelten wir dann wieder retour auf’s Gelände, um doch mal die erste Band anzusehen. Auf dem Platz vor der Bühne befanden sich zwar weiterhin mehr Strohhalme als Zuhörer, aber was soll’s. Sorgente war’s auf jeden Fall wert. Die Jungs aus München gaben feinsten Funk zum besten, der teilweise so richtig übel rockte. Der Auftritt war sehr lebendig und wirkte sehr souverän, obwohl die sechs noch keine Erfahrung auf größeren Events gesammelt hatten. Besonders auffallend war neben dem tollen Saxophoneinsatz die Präsenz von gesamt drei Lead-Sängern, was ohnehin schon einen abwechslungsreichen Auftritt garantiert. Nun, als sich dann die nächste Band auf der kleinen Bühne zum Spielen bereit machte, streiften Jonny und ich ein bisschen über das Gelände. Wir holten uns mal ein, zwei Getränke und laberten in der Gegend rum. Als die Shout Out Louds ihre Musik von der Hauptbühne aus zum Besten gaben, orderten wir uns einen Kebap. Mein Ding war aber ganz ohne Käse und mit mauer Sauce eine echt mopsige Angelegenheit. Ich vertröstete mich dann dafür mit einer Portion Donuts, die einfach nur fantastisch schmeckten. Die Teile hatte ich ja echt schon ewig nicht mehr behaupte ich
Wir lauschten von dort aus den Klängen der Musik, die massiv zu überzeugen wusste. Die Ähnlichkeit zu U2 war vielleicht ein wenig zu eklatant – andererseits läßt dies auf Weltklasseniveau schließen, wonach es auch beinahe klang.
Als sich die Sonne so langsam verabschiedete, zogen wir uns noch für ne Weile in die Chill Out Zone zurück. Wir flackten uns in eins der nicht besonders appetitlichen, aber durch bequemen Sofas und langten beim herum gereichten Obstteller zu. Ganz nette Atmosphäre hier, mal abgesehen von den ganzen Besoffenen, die sich einfach nur eine gemütliche Stelle zum Pennen gesucht hatten *lol* Ich musste an das Sziget-Festival zurück denken, wo ich mit Riki vor einigen Jahren war. Dort gab es ja ua. ein riesiges Zelt mit Sitzkissen, Yoga-Matten und was weiß ich alles. Hatte trotz der extremen Besucherzahl schon deutlich hochwertiger ausgesehen als das hier in Lustenau *g* Nach einem kurzen Ausflug auf den Coke Zero-Wagen machten wir uns dann wieder vor die Bühne. Vom Programm hatten wir ja eben so wenig Plan wie von der Uhrzeit, aber wir kamen wohl genau rechtzeitig zu den Pre-Headlinern, den Editors. Hatte noch nie von denen gehört, dabei gab es schon ein paar Groupies im Publikum, die auch nicht mal so jung waren. Und selbst einige Kiddies grölten enthusiastisch die Texte mit. Der Sound war dann sehr solide und eine ähnlich positive Überraschung wie es damals in Ungarn Pulp war. Ich weiß nicht warum sie mich massiv an REM erinnerten, denn eigentlich waren sie doch deutlich rockiger. Der Sänger schien hingegen nicht besonders sauber zu sein, so stieg er doch immer wieder auf sein Klavier rauf und machte Dank zu niedrigem Mikroständer ziemlich elende Verrenkungen. Leider klappte auch die Kommunikation mit dem Publikum nicht besonders, aber die Musik sprach eh schon für sich. Eine Lustenauer Lokalband überbrückte dann die Aufbauarbeit auf der Mainstage und konnte mit ziemlich sattem Rock’n'Roll überzeugen. Wir sahen uns das Ganze dennoch nur aus der Entfernung an und machten es uns mal in Sitzposition gemütlich. Gegen halb zwölf war es dann Zeit für die heutigen Headliner: Wir sind Helden. Die Band hatte immerhin auch schon mal bei Rock im Park als Mainact fungiert, was ich damals aber schon als ziemliche Frechheit empfand. Aber für so ein kleineres Event wie in Lustenau war sie auf jeden Fall passend. Nun, eigentlich hielt ich die Debutsingle damals für einen ziemlich schlechten Scherz. “Neuer deutscher Synthizier, Alfred dreh die Scheiße leiser”, um es in den genialen Worten der onkelz auszudrücken
Ihr genialer Auftritt mit Max Raabe mit dem Flecken-Song ließ mich dann aber doch wieder aufhorchen. Und tatsächlich brachten mich die neueren Hits dazu, mich auch mit dem alten Material großteils anzufreunden. Keine Frage, die Band hat Potenzial. Auch beim heutigen Auftritt bewiesen sie es, allerdings nützte das reine Potenzial nicht wirklich was. Denn es verpuffte in den Weiten des Rheindamms. Der Soundtechniker hat es ganz groß verschissen: die Musik war schlichtweg viel zu leise und insbesondere der Gesang beschissen abgemischt. Die ersten paar Kommunikationsversuche von Judith wurden gnadenlos im Keim erstickt. So gut die Stimmung im Vorfeld noch gewesen ist, so schlecht war sie während des Konzerts. Egal, ob sie’s mit halbamüsanten Ansagen oder mit klassischem Lärmpegeltest des Publikums versuchten, die Meute war sichtlich unzufrieden. Kaum ein Song lud wirklich zum Mittanzen ein, dabei wären manche Lieder ja wirklich genial. Immerhin konnte mich ein Song noch positiv überraschen. Die Band zollte tatsächlich The Cure Tribut und gab den Hammer “Why can’t I be you” zum Besten. Juhu. Richtige Mitgröhllaune kam dann beim “Denkmal” auf. Nachdem dies aber bereits das letzte Lied war, trug das nicht mehr viel zur Gesamtstimmung bei. Im Endeffkt muss man wohl von einer großen Enttäuschung sprechen. Der Sound war kacke, die Stimmung mau – und dabei hat sich die Band ja durchaus bemüht. Besonders genial waren die drei Bläser, die nicht nur den Sound massiv aufwerteten, sondern sich auch durch diverse Tanz- und Showeinlagen positiv in Szene setzten. Aber es nützte halt alles nix..
Um halb zwei warteten wir dann auf den Shuttlebus nach Lustenau. Letztes Jahr standen wir ja eineinhalb Stunden lang im Regen und mussten uns dann in den dritten völlig überfüllten Bus zwängen, um zum Parkplatz zu kommen. Gott sei Dank hat sich heuer der Veranstalter ordentlich ins Zeug gelegt und ein super Transportservice auf die Beine gestellt. Nun, ins Oberland zu kommen war leider trotzdem unmöglich, also übernachtete ich bei Jonny. Bei ihm daheim gönnten wir uns noch ein bisserl was zu trinken. Wir laberten noch ziemlich lange und gingen erst kurz vor vier schlafen. Ja, das Preis/Leistungsverhältnis hat Dank Freikarte definitiv gepasst – es war ein cooler Tag. Wenn ich aber den doch recht hohen Normalpreis von 40 Euro zahlen hätte müssen, hätte ich mich schon ein bisschen geärgert denke ich. Anyhow, die Veranstaltung verlief wieder ziemlich reibungslos, weshalb ich sicher auch im nächsten Jahr zumindest für einen Tag wieder auftauchen werde. Auch als brav zahlender Kunde
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