Kommt ein Vogel geflogen
Es ist noch nicht mal 7:00 Uhr, schon tönt es aus der Küche. Unsere Katze Piet will offensichtlich mit uns kommunizieren, dermaßen penetrant ist ihr Gemaunze. Vermutlich wollte sie mich dezent darauf aufmerksam machen, dass ich endlich aus den Federn zu hüpfen habe, weil eigentlich um acht Uhr Unterricht anstünde. Das hätte unser schwarzer Engel aber auch ein wenig deutlicher ausdrücken können. Ich habe die Zeichen jedenfalls nicht richtig gedeutet und daher schlichtweg ignoriert. Weiterdösen war angesagt. Was gar nicht mal so leicht war, angesichts der Tatsache, dass aus der Küche hartnäckiges Gejammere wahrzunehmen war. Irgendwann gab ich auf. Immer noch nicht die wahren Weckintentionen der Katze erkennend (oder doch?), öffnete ich einfach mal die Terrassentür, damit das Viech draußen seiner aktuellen Lieblingsbeschäftigung nachgehen und damit vielleicht auch die Nachbarschaft beglücken kann. Es war Ruhe – herrlich.
Bis zu dem Zeitpunkt, als plötzlich ein Fluggerät in unser Schlafzimmer flatterte. „Kommt ein Vöglein geflogen“.. wir trauten unseren Augen nicht. Da sticht doch glatt ein kleiner Spatz durch den engen Spalt unserer Schlafzimmertür, dreht eine Runde und verschwindet innerhalb weniger Sekunden wie da, wo er hergekommen ist. Absurdes Teil. Wir kapieren jedenfalls recht schnell, dass das arme Ding nicht zum Spaß in unsere Wohnung gekommen ist. Als wir diverse Dinge im Badezimmer auf den Boden fallen hören, ist klar, dass das Flatterteil in guter Gesellschaft ist. Vermutlich landete es nach dem Verlassen unseres Schlafgemachs diretissimo im Maul unserer Katze. Langsam wird auch klar, wozu das dauernde Gemaunze wirklich gut war – aller Voraussicht nach witterte unser Piet bereits nach ein paar geschulten Blicken auf die Terrasse die Chance auf ein Spezialfrühstück. Ich schickte mal Riki voraus, die sich wohl noch etwas schlaftrunken gar nicht groß zierte. „Ich steh sicher drauf, auf das arme Ding – sehe ja nichts ohne Brille“. Wie Recht sie hatte…
Das Gekreische aus dem Badezimmer konnte nur eines heißen: der Vogel war genau da, wo wir ihn vermutet hatten. Der Lautstärke von Rikis Schreien zufolge war das komplette Badezimmer blutverschmiert und mit Eingeweiden verziert, doch Gott sei Dank resultierte die Panik „nur“ auf der Tatsache, dass sie wohl tatsächlich auf das arme kleine Ding drauf gestanden ist
Da lag er nun, der kleine Vogel. Auf dem Rücken, die Beine nach oben gestreckt, keine Bewegung. Im Gegensatz zum letzten Bird Incident zogen sich aber Gott sei Dank keine Blutspuren durch die Wohnung, lagen keine Federn in der Gegend rum und wurde mir das halbtote Tier auch nicht so offensichtlich präsentiert. Nein, ich konnte geistesgegenwärtig gleich die richtige Aktion setzen und griff wie damals sofort zum Putzeimer. Diesmal stülpte ich ihn „richtig“ rum über das tot zu scheinende Tier, diesmal war ich kein Mörder.
Als diverse Geräusche unter dem Kübel zu vernehmen waren und Piet wie ein Irrer um den Kübel herum schlich, war klar, dass der Vogel doch noch nicht ganz erledigt war. Und so war es Zeit für Super-Helden wie uns, um den Piepmatz zu retten. Ich schob langsam und vorsichtig eine platte Pizzaschachtel unter den Eimer und hatte so den herum flappenden Vogel in einer wunderbaren Transportbox. Nichts wie raus auf die Terrasse mit dem Teil. Wir hätten jetzt natürlich das kleine Ding wie in Haubenrestaurants durch ein elegantes Lüften des Eimers unserer Katze zur Hauptspeise präsentieren können, doch interessierte das unseren Piet scheinbar eh nicht mehr. Dieser schnüffelte noch wild im Badezimmer in der Gegend herum und hat von der Rettungsaktion offensichtlich nichts mitbekommen
Umso besser. Ich positioniere die Rettungskonstruktion also auf dem Terrassenboden, packe den Eimer und renne so schnell ich kann. Flapp, flapp, der Vogel fliegt voller Elan davon in ein hoffentlich langes und gesundes Leben daheim bei seiner Familie. Live long and prosper, birdie!
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- Datum: 2. April 2009
- Kategorie: Gedanken
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