Rock am See vom Feinsten
(Foto von Regioactive.de) Vormittags kümmerte ich mich noch ein bisschen um neue Renderaufträge, ehe ich um 11:00 losdüste, um Auto und Nico zu holen. Sie kam von Innsbruck mit dem Zug her, um mich auf’s Open Air in Konstanz zu begleiten. Die Anfahrt war ja schon mal recht interessant. Ab St. Margrethen fährt man die Autobahn 1.1 entlang (ja, grad, dass es nicht noch sowas wie “beta” als Zusatz hat.. schräg) und landet dann plötzlich auf ner kleinen Landstraße, die durch sämtliche Käffer am Bodensee führt. Und in jedem Ort gibt’s mindestens einen Kreisverkehr. Sowas von abartig hab ich noch nie gesehen, normale Kreuzungen scheinen die Schweizer nicht herzubringen. Na gut, der Weg war wenigstens recht simpel und zwar immer geradeaus. Nach etwa 1 1/2 Stunden waren wir dann auch in Konstanz, wobei wir den Grenzübergang über die Autobahn nahmen, was auch eine interessante Erfahrung war – das Kreuzlingen/Konstanz-Konzept ist echt schräg. Dann begann die Suche nach dem Parkplatz. Ich entschloss mich kurzerhand, doch beim Bahnhof zu parken, was sich aber ein wenig als schwierig erwies, weil wir schon die falsche Richtung eingeschlagen hatten. Naja, düsten wir halt mit der Kirche ums Dorf, so groß ist die Stadt ja nicht. Beim Bahnhof gab’s einen feinen Parkplatz, der aber um 20:00 die Schranken schloss, was wir gerade noch rechtzeitig bemerkten. Jenseits des Gleises war dann aber ein normaler öffentlicher Platz. Ich stellte mich mal neben die Einfahrt, um Preise und Konditionen zu checken, da fuhr neben mir grad einer hinein. Ich wollte ihm dann hinterher, doch beinhart blieb die Schranke wegen Überfüllung geschlossen. Haha, direkt vor der Nase quasi, sehr lieb. Geduldig blieben wir aber stehen und beobachteten, wie eh grad ein anderes Auto nach 5 Minuten oder so hinaus fuhr. Doch die Schranke blieb immer noch unten. Erst beim zweiten Auto durften wir dann hinein und bekamen auch gleich einen wunderprächtigen Platz. Schnell beim Einkaufszentrum noch auf’s Klo und dann zum Shuttlebus am Bahnhof, auf den wir nicht allzu lange warten mussten.
Ursprünglich wollte ich Vorfeld ja noch Eintrittskarten organisieren, was sich aber zeitlich einfach nicht mehr ausging. Aber angeblich gab’s noch genug Tagestickets vor Ort, die auch nur ein paar Euro mehr kosteten. Soweit kam’s aber eh nicht, denn ich ging gleich auf einen Typen zu, der mit der Eintrittskarte rumwedelte. Offensichtlich wollte er seine loswerden. Wie viel ich denn zahlen wolle.. Huch, hätt schon fast “Fünfzig” gesagt, als seine Freundin meinte, die Karte koste 30 Euro. Mui, das ist ja echt schräg. Na gut, der Bursche ging nicht wirklich drauf ein und meine, für 40 könne ich sie haben. Währenddessen krallte sich Nico bei wem anderen tatsächlich um 30 eine Karte, weshalb ich den Typen noch auf 35 runterdrücken wollte. Blöderweise kam dann aber grad wer anderer daher und wollte auch eine Karte und da der Schwarzmarkt nicht wirklich groß war, schlug ich halt für 40 zu. Ich mein, immer noch 15 Euro gespart. Schon ein Hammer eigentlich. Ich glaube, zukünftig mach ich das immer so. Ich erinnere mich an das AC/DC-Konzet in Zürich. War ausverkauft, aber beim Stadion selber wollten einige ihre Karten noch um den halben Preis loswerden. Kranky! Zufrieden gingen wir also mal ins Areal und checkten die Lage. In den Wellenbrecherbereich kam man noch gut hinein, Bänder gab es leider keine – und gleich von 14:00 bis zum Ende drinnen stehen war auch keine Option. Also holten wir uns zuerst mal was zu trinken und essen. Das Konzept war ja ziemlich schräg: Bonkasse, etliche Stände und eigener Pfandstand. Fand ich anfangs doof, stellte sich aber als genial heraus, da man viel schneller zu seinen Sachen kam. Bei den Getränken standen keine Bimbos, die Becher zurück geben wollten, Geld-mäßig lief natürlich auch alles ganz zackig, usw. Also meiner Meinung echt brilliantes Konzept und angenehm für alle. Ich orderte mir jedenfalls einen Maiskolben und wir spazierten dann gemütlich zum vorderen Bereich hin. Doch denkste – hier war nun schon beinhart zu! Verdammte scheiße. Okay, dann hören wir uns halt “The Sounds” aus der Ferne an, spielt eh keine Rolle. Doch irgendwie wurde ich schon nervös und die letzten paar Lieder hörten wir dann halt doch in der Warteschlange zum Wellenbrecherbereich. Oh Mann, ich malte mir schon einen Nachmittag in der Schlange aus, um dann vielleicht gegen Ende endlich mal reinzukönnen. Lange hat es echt danach ausgesehen. Es kamen zwar etliche Leute heraus, doch niemand durfte mehr rein. Erst beim Konzertende gab’s dann den großen Wechsel und wir waren endlich vorne dabei!
Die erste interessante Band “Razorlight” hat leider kurzfristig abgesagt, sodass kein besserer Ersatz als die lokale Jugendband “Mess” gefunden werden konnte. Aber alle Achtung. Die Jungs ham echt Gas gegeben und das Publikum ging gut mit. Einige kannten die Band wohl, zumindest die aus Konstanz. Jedenfalls gab’s 40 Minuten sauberen Ska-Punk, was eine tolle Einstimmung für den nächsten Act war: NoFX. Juhuuu, endlich! Die waren ja schon einige Male in Konstanz, doch die vorigen Jahre kam immer irgendwas dazwischen. Heute war es dann so weit. Die Jungs standen auf der Bühne und laberten Scheiße. Hm, erinnerte mich irgendwie an die Bloodhound Gang: besoffen auf der Bühne stehen und Blödsinn labern. Aber zumindest war’s noch ein bisschen niveauvoller und was soll ich sagen. Das Konzert der Blutis damals war schon ein Hammer, was die Stimmung und die Songs anging. Und genauso war es dann auch heute. Es ging ab wie Wahnsinn, Pogo ohne Ende und ein Kultsong nach dem anderen. “Bottles to the Grounds”, “Dinosaurs must die”, “Kill all the white men”, “Don’t call me white”, “Linoleum”, “Fuck the kids” und und und. Wirklich schade war dann der große Stromausfall: 15 Minuten nichts. Grandios, dabei war die Zeit eh schon knapp. Die Jungs machten ein bisschen Akrobatik auf der Bühne, spielten mit der Trompete und alberten herum. Sie ham echt das Beste draus gemacht und sich sehr bemüht, dass den Leuten nicht zu fad wird. Die nächsten zwei Songs kamen dann nur über die Monitorboxen, was natürlich auch ein ziemlicher Bringer war. So ein Bullshit, ich hab mich echt zu Tode geärgert, und das bei Knallern wie “The Brews”. “Champs Elysee” wurde dann zwar von Fat Mike angekündigt, aber abgewürgt, weil die Zeit halt nicht mehr reichte und andere Songs vorgezogen wurden. Das war dann halt der Höhepunkt der Enttäuschung. Aber naja, auch die anderen Lieder waren natürlich geil. Was wirklich genervt hat, war, dass die Jungz immer noch daherlaberten und auch noch meinten, sie reden jetzt sicher nicht weniger, nur weil sie nun weniger Zeit haben. Da hätte man doch schon ein bisschen straffen können und noch mehr Songs reinpacken. Tja, aber so sind sie halt und das hat mich dann doch gestört. Ich liebe die Songs, die Stimmung war super, volle Action und die Jungs waren eigentlich gut drauf. Durch die ganzen Umstände war ich dann aber doch etwas von dem Auftritt enttäuscht.
Umso genialer waren dann aber die Sportfreunde Stiller. Ich hatte sie ja vor ein paar Jahren in Lustenau gesehen, als ich noch nicht wirklich viele Lieder von ihnen kannte. Das war ja schon ein cooles Konzert eigentlich. Die Show in Holland war halt extrem klein und auf seine Weise toll, aber heute ging echt die Post ab. Die drei standen alle in einer Reihe auf nem Podest, also auch Flo durfte mal direkt an die Front. Finde ich eigentlich ne ziemlich geniale Lösung. Der Beginn des Konzerts war noch ein bisschen verhalten. Sie starteten mit dem Opener des neuen Albums “Der Titel zum nächsten Kapitel”. Ist ein ganz nettes Lied, aber halt kein Reißer. Dafür legten sie gleich ordentlich nach. Bei “Alles Roger!” wurde gehüpft und geschupft, wie es sich halt gehört. Es jagte dann so mehr oder weniger ein Hit den anderen, dazwischen kamen ein paar lustige Kommentare und Einlagen. Sehr kultig war das Anstimmen etlicher bekannter Songs am Keyboard, wo das Publikum sofort drauf eingestiegen ist und lauthals mitgegröhlt hat. Doch auch bei den Sporti-Liedern wurde ordentlich mitgesungen, die drei hatten also wirklich Heimspiel. Durchgehend Hüpferei und Pogo, bis auf ein Lied, wo die Jungs die Mädels auf die Schultern nehmen mussten: “Denkst du da genauso?”, so ein schöner Song. “Ein Kompliment” wurde gleich nachgeschoben, wo es dann auch sofort wieder abging. Die Highlights waren meiner Meinung nach “Sodom”, wo alle genauso herumfreakten wir bei “Erste Wahl”, “995 hoch über Island” und “Ich roque”. Das Island-Lied fand ich schon auf dem Album brilliant. Endlich mal wieder ein Song, bei dem auch die Strophe richtig cool ist. Und der Refrain rockt dann sogar noch so richtig – eines der coolsten Sehnsuchts/Reise-Songs, die ich kenne. “Es ist schon so lange her! Ich will wieder ans Meer!”, nur genial. Und beim Roque-Lied, das den Abschluss des Auftritts bildete, wurde anfangs auch noch ein bisschen herumgealbert, wo alle mitbrüllen konnten. Erste Sahne also! Einige werden vielleicht ein wenig enttäuscht gewesen sein, dass der WM-Song nur ganz kurz in “Erste Wahl” eingestreut wurde, aber mir war das egal. Das Set war auch so super und das Konzert echt der Hammer.
Nico verkrümelte sich dann nach hinten, doch ich musste auf jeden Fall noch Billy Talent an vorderster Front miterleben. Kurzfristig hatte es noch den Anschein, als komme der Regen, doch Gott sei Dank blieb es beim kurzen und leichten Nieseln. Das Wetter war also den ganzen tag über perfekt bewölkt und angenehm. Inzwischen wurde es eh schon recht dunkel und als die Kanadier auf die Bühne sprangen, kamen die Lichter schon richtig schön zur Geltung. Die Truppe hatte ich vor 1 Jahr am Nova Rock gesehen oder besser gesagt gehört. Damals war es so ekelhaft heiß, dass Tobster und ich uns in einem schattenspendenden Zelt aufhielten. Ich war damals eigentlich von den Songs völlig begeistert, einzig das Gekreische des Sängers fiel auf die Distanz ziemlich nervig aus. Auf dem neuen Album hält sich das dann aber schön in Grenzen und so freute ich mich schon ordentlich auf den Auftritt und wurde auch nicht enttäuscht. Im Gegenteil, der Gig war echt super und die Stimmung sowieso. Es waren im Prinzip alle relevanten Lieder enthalten, einzig vom ersten Album wurde ein bisschen wenig geboten. Gerade “Standing in the rain” oder “Lies” halte ich für geniale Songs, aber live wären sie wohl eh nicht so der Kracher gewesen. Stattdessen ging’s natürlich mit “This is how it goes” los und “Try Honesty” war auch einer der Kracher vom Debutalbum. Neuere Songs waren fast alle enthalten, das Highlight für mich war hier “Fallen Leaves”, das ich in Studio-Version schon genial finde. Live ist’s aber auch super. Zwar kein Pogo-Song, aber fein zu hüpfen und mitgröhlen. Bei etlichen anderen Songs ging’s dafür umso heftiger ab. Wirklich dämlich finde ich aber die großen Kreise, die künstlich erzeugt werden, um dann auf Kommando in die Mitte zu stürmen und sich mehr oder weniger die Schädel einzuschlagen. Na bitte, wenn’s denn sein muss, aber ohne mich. Kultig hingegen war, als sich fast alle auf den Boden setzten bzw. knieten, als es auf den Refrain von “Down the River” zuging. Funzte zwar bei Slipknot noch ne Spur besser, aber dafür, dass hier die Initiative nur von ein paar Fans ausging, war das schon sehr prächtig. Gebührender Abschluss dann natürlich “Red Flag”, wo alle nochmals ihr Letztes gaben
Ich war dann eigentlich eh völlig erschöpft und froh, dass mich der Headliner Nine Inch Nails nicht mehr wirklich interessierte. Hatte mir einige Songs im Vorfeld angehört, doch richtig begeistern konnte mich kaum einer. Also schlurfte ich nach hinten, um mich wieder mit Nico zu treffen. Zuerst Mal ordentlich Flüssigkeit tanken und was zu beißen organisieren. Zusammen gönnten wir uns noch mit den letzten Bons ein Red Bull, das grad auch noch gut tat. So langsam machten wir uns dann auf den Weg nach vor, wobei wir doch immerhin in die dritte Reihe kamen, ohne uns auch nur irgendwie nach vor zu drängen. Außerhalb des Wellenbrecherbereichs versteht sich, rein wollten wir eh nicht mehr. Klar füllte sich dann so langsam der Bereich hinter uns auch, doch das Gelände war für die 15.000 Besucher schon mehr als groß genug. Umso feiner für uns natürlich. Ein bisschen nervig war dann die Verzögerung beim Auftritt. Jetzt hat eigentlich bisher zeitlich alles so gut geklappt. Einzig die Technik war nicht so der Bringer. Neben dem NoFX-Drama war auch bei Billy Talent anfangs das Mikro viel zu leise und selbst bei den Sportis gab’s ne kurze Stromunterbrechung. Aber der Zeitplan wurde immer gut eingehalten – bis auf jetzt. Irgendwann kam dann der Mastermind auf die Bühne und meinte, er wäre angepisst, weil ihnen zu wenig Strom zur Verfügung steht und somit das Licht und die Screens nicht genutzt werden können. Hm, okay, dass die Jungs angepisst waren, hat man echt gemerkt. Gerade der Gitarrist schrammte sich die Seele aus dem Leib, wow der ging ab! Ich war höchst positiv vom Sound überrascht! Die richtig faden Industrial-Songs blieben sehr rar gesäht, stattdessen jagte eigentlich ein Kopfschüttelfeger den anderen. Hinter uns wurde auch schon gepogt, wobei mich ein Fuzzi ziemlich anging. Schupfte ihn mal ordentlich weg, worauf er glatt einen auf Streit machen wollte, aber eh noch abgehalten wurde. Ich konzentrierte mich auf’s sanfte Bangen und die Musik. Das Licht und so kam eh noch sehr gut rüber und alles in allem war das eine sehr fette Show. Zwischendurch kam dann wieder mal ein Flaming gegenüber den Promotern und ein Mal knallte er das Keyboard um, nachdem die erste Strophe eines langsamen Songs nicht so ankamen. Oder keine Ahnung warum eigentlich. So war die Stimmung halt nicht grad der Reißer muss man sagen. Die Jungs waren echt sehr negativ unterwegs und bissi meschugge, aber der Sound blieb ein Hammer. Wahres Brett voll durch! Am Ende wurden dann noch Gitarren zerstört und so weiter – kindisch, aber bitte, zumindest die Musik war echt gut.
Wir düsten dann ziemlich gleich mal Richtung Bus und ärgerten uns ein paar Sekunden, dass der Richtung Bahnhof schon voll war. Doch der nächste rückte sofort nach und wir hatten super Platz. Kamen also innerhalb von 20 Minuten zum Bahnhof zurück, wobei die Fahrt ne Viertelstunde dauerte. So muss das sein! War echt perfekt organisiert. In alle Richtungen fuhren Busse, man wurde über Lautsprecher informiert, welcher wohin düst, etc. Genial. Am Bahnhof gönnten wir uns noch ein Eis, danach süffelte ich mal ordentlich mein Bitterlemon. Die Heimfahrt war dann eh noch ganz okay, ich fuhr ein bisserl schneller als her, was auch gut möglich war und so waren wir innerhalb einer Stunde daheim. Dort mal schnell Renderings checken und so und dann ab in die Dusche. Nico pflanzte sich zu Piet auf die Couch und ich huschte recht erschöpft ins Bett.
Vor Jahr und Tag..
- Chillen in Domaso - 2009
- Katzeklo und übliches Zeugs - 2008
- Smi-Session samt Chilis und Quake - 2006
- Datum: 1. September 2007
- Kategorie: Allgemein
- Wortanzahl: 2425 Wörter